"Doing disabled transitions - Organisationale Behinderungen am Übergang "Schule - Beruf"

Auf einen Blick

Laufzeit
05/2026  – 04/2029
DFG-Fachsystematik

Bildungssysteme und Bildungsinstitutionen

Empirische Sozialforschung

Förderung durch

Hans-Böckler-Stiftung

Projektbeschreibung

Das Projekt befasst sich aus einer Lebensverlaufsperspektive mit der Zugänglichkeit beruflicher Bildung. Jugendliche mit Behinderungen sind beim Übergang in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt trotz menschenrechtlicher Verpflichtungen zur Gewährleistung inklusiver Bildung und des Zugangs zu beruflicher Ausbildung (Art. 24 und Art. 27 Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, UN-BRK) stark benachteiligt. Ausgangspunkt des Vorhabens sind empirische Hinweise darauf, dass die ungleiche Teilhabe nicht erst bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen entsteht, sondern institutionell bereits im Zuge der in der Schulzeit startenden Vorbereitung und Gestaltung des Übergangs Schule-Beruf, einschließlich der wohlfahrtsstaatlichen Entscheidung über die Förderung der beruflichen Ausbildung angebahnt wird. Eine wesentliche Rolle hat dabei die institutionalisierte Herstellung von Differenz durch Organisationen entlang von Behinderungs-kategorien im Zusammenwirken mit anderen Differenzlinien. Deshalb werden die Herstellung und Zuschreibung von ‚Behinderung‘ sowie darauf bezogene Zuweisungs- und Vermittlungsprozesse auf Ebene schulischer und wohlfahrtsstaatlicher Akteure am Übergang Schule-Beruf sowie deren Zusammenwirken untersucht.
Fokussiert werden dabei (1) die Anbahnung von Übergängen im Zuge der schulischen Berufsorientierung, (2) die Planung von Übergängen am Ende der Schulzeit sowie (3) die wohlfahrtsstaatliche Förderung von beruflicher Bildung und Beschäftigung. Mit relevanten Akteuren schulischer und wohlfahrtsstaatlicher Organisationen, denen spezifi-sche Gatekeeper-Funktionen im Zuge der Übergangsprozessierung zukommen, werden leitfadengestützte Expert:inneninterviews geführt, die inhaltsanalytisch ausgewertet werden.
Mittels der Kontrastierung von zwei Untersuchungsregionen mit unterschiedlichen Schulsystemen und schuli-schen Inklusionsquoten trägt das Projekt variierenden Kontextbedingungen zur Vorbereitung und Gestaltung beruflicher Übergänge im Kontext Behinde-rung Rechnung. Durch die integrierende Analyse der in der Forschung häufig getrennt betrachteten Übergangsbereiche trägt das Projekt dazu bei, zu verstehen, inwiefern berufliche Bildungs- und Beschäftigungschancen im Regelsystem durch das Zusammenwirken von unterschiedlichen organisa-tionalen Akteuren im Kontext von Behinderung im Zuge der Übergangsvor-bereitung und -gestaltung eröffnet oder verschlossen werden. Dies hilft sichtbar zu machen, wie ‚Behinderung‘ nicht als individuelles Merkmal, sondern als Ergebnis von organisationalen Strukturen, Prozessen und Praktiken und langfristig für berufliche Teilhabechancen relevant wird. Vorhandene Forschungsperspektiven auf berufliche Bildung und Behinderung, welche Konstruktionsprozesse auf der Mikroebene sozialer Interaktion betrachten, werden durch den Fokus auf die Mesoebene organisationalen Handelns, unter systematischem Einbezug der kulturellen, ökonomischen, rechtlichen sowie zeitlich-situativen sozialen Kontexte