Entgegen der eigenen Überzeugungen: Die Rolle von Intergruppenempathie bei aktivistischem Engagement

Auf einen Blick

Laufzeit
10/2022  – 03/2023
DFG-Fachsystematik

Psychologie

Förderung durch

Berlin University Alliance (BUA)

Projektbeschreibung

Das beantragte Forschungsvorhaben hat das Ziel, den Zusammenhang von Intergruppenempathie,
aktivistischem Engagement und gesellschaftlichem Zusammenhalt theoretisch zu ergründen
und anhand einer Pilotstudie empirisch zu untermauern. Empathie, Aktivismus und
gesellschaftlicher Zusammenhalt haben gemeinsam, dass sie innerhalb der Gesellschaft als
positiv gesehen werden und ihre Verwirklichung grundsätzlich als wünschenswert gilt. Alle drei
Konzepte sind jedoch in mehrfacher Hinsicht ambivalent. Während es wünschenswert ist, anderen
Menschen gegenüber empathisch zu sein, sind Menschen selektiv, wem gegenüber sie
Empathie zeigen (z.B. Lotz-Schmitt et al., 2017; Tarrant et al., 2009). Während aktivistisches
Engagement zu mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt führen kann, wenn es auf gemeinschaftliche
und soziale Anliegen gerichtet ist, kann es ins Gegenteil umschlagen, wenn sich
das Engagement auf Anliegen richtet, deren Ziel es ist, Forderungen auf bestimmte Gruppen
zu beschränken (z.B. migrationsfeindlicher Aktivismus aufgrund der Angst vor Entfremdung
der eigenen Kultur; vgl. Lewis et al., 2019). Aktivismus kann dann zu sozialer Spaltung, Frustration
und Polarisierung innerhalb der Gesellschaft führen. Während der gesellschaftliche Zusammenhalt
ein Merkmal der sozialen Einheit ist, nimmt die Sorge um den gesellschaftlichen
Zusammenhalt zu (Schiefer & Noll, 2017). Das vorliegende Projekt befasst sich mit den drei
Konzepten in ihrer Wechselbeziehung. Es soll besser verstanden werden, wann und unter
welchen Umständen Empathie prädiktiv für (ökologischen und sozialen) Aktivismus ist. Weiterhin
beschäftigt sich das Projekt mit der Fragestellung, wie sich Menschen innerhalb sozialer
Gruppen identifizieren und wie sich ihre Empathie unterscheidet, wenn sie auf die eigene (soziale)
Gruppe im Vergleich zu einer (gegnerischen) Outgroup gerichtet ist.
Das Verständnis für die Wechselbeziehung von Intergruppenempathie, Aktivismus und gesellschaftlichen
Zusammenhalt ist zentral, um die gesellschaftlichen Auswirkungen auf die Krisen
unserer Zeit zu adressieren. Die jüngsten Ereignisse in der Ukraine zeige dies sehr deutlich:
Zum einen ist die transnationale europäische Solidarität und Empathie mit der Ukraine groß,
viele Menschen zeigen ihre Hilfsbereitschaft und gehen als Zeichen des eigenen Protests auf
die Straße. Auf der anderen Seite werden aber auch entscheidende Herausforderungen und
Fragen zu Migration und Klimaschutz auf Deutschland und Europa zukommen, die sich auf
den gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirken können. Innerhalb der Förderung der Career
Development Awards soll eine Einarbeitung in die Literatur erfolgen. Intergruppenempathie,
Aktivismus und gesellschaftlicher Zusammenhalt sollen aus psychologischer, soziologischer
und politikwissenschaftlicher Sicht herausgearbeitet werden und der aktuelle Forschungsstand
exploriert werden.