Erinnern und Entscheiden in Zeiten sozialer Beschleunigung: Zur Begründung einer demokratietheoretischen Archivologie
Auf einen Blick
Politikwissenschaft
Volkswagen Stiftung

Projektbeschreibung
Das Projekt erforscht, welche Rolle das kollektive Erinnern (und Vergessen) in demokratischen Entscheidungsprozessen spielt. Während vorherrschende demokratietheoretische Ansätze die Bedeutung zeitintensiver Verfahren für die Sicherung demokratischer Legitimität betonen, bezweifelt die soziologische Beschleunigungstheorie, dass Demokratien diese Zeit überhaupt noch haben. Das Projekt geht davon aus, dass der in solchen Ansätzen dominierende Fokus auf die linear-progressive Dimension der Zeit zur Ausblendung der Vergangenheit führt. Es argumentiert, dass demokratische Konflikte stets eine – variierende – historische Tiefendimension aufweisen, die durch das neu einzuführende Konzept des „demokratischen Archivs“ beschrieben werden soll. An die dort gespeicherten Erfahrungen und Wissensbestände kann in Entscheidungssituationen angeknüpft werden. Das „demokratische Archiv“ erlaubt es, die Anpassungspotentiale und auch mögliche Pathologien zu rekonstruieren, welche Demokratien aus ihrer historischen Tiefendimension erwachsen.
Projektleitung
- Person
Dr. Andreas Schäfer
- Institut für Sozialwissenschaften
- Politische Soziologie und Sozialpolitik