Finanzielle Inklusion in ruralen Gebieten: Die Rolle mobiler Finanzdienstleistungen
Auf einen Blick
Agrarökonomie, Agrarpolitik, Agrarsoziologie
DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe)
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Projektbeschreibung
In mehreren Studien wurde gezeigt, dass die Fähigkeit zur Konsumglättung nach Dürren durch die
Nutzung mobiler Finanzdienstleistungen (MFD) verbessert wird. Allerdings gibt es ebenfalls Hinweise
darauf, dass die Konsumglättungsfähigkeit von nicht-Nutzern von MFD durch die Nutzung von MFD
durch andere Haushalte negativ beeinträchtig werden könnte. In diesem Forschungsprojekt
formuliere ich ein theoretisches Argument, welches zeigt, dass solche negativen Spillover-Effekte auf
nicht-Nutzer tatsächlich existieren könnten, insbesondere in extrem abgelegenen Gebieten. Ich zeige
auf der Grundlage von MFD-Literatur und Preistheorie, dass ein Anstieg der von MFD-Nutzern ceteris
paribus Lebensmittelpreiserhöhungen, die von Schocks (z.B. Dürren) verursacht werden, verstärken
könnten. In abgelegenen Gegenden können diese verstärkten Preiserhöhungen aufgrund hoher
Transaktionskosten häufig nicht durch Essenslieferungen aus anderen Gegenden ausgeglichen
werden. Für nicht-Nutzer bedeutet dies, dass sie nach Auftreten von Angebotsschocks mit höheren
Lebensmittelpreisen konfrontiert werden ohne diese mit Hilfe von MFD begegnen zu können. Daraus
folgt, dass sich die Nutzung von MFD negativ auf den tatsächlichen Lebensmittelkonsum von
Nichtnutzern in abgelegenen Gebieten auswirken könnte. Dieser Vorschlag zielt daher darauf ab, zu
untersuchen, ob MFS lokale Lebensmittelpreiserhöhungen nach Angebotsschocks verstärken kann
und ob solche lokalen Lebensmittelpreiserhöhungen zu Konsumrückgängen für Nichtnutzer führen.
Angesichts des Mangels an Instrumenten zur Konsumglättung und insbesondere des Zugangs zu
Finanzinstituten in ländlichen Gebieten haben viele Forscher die Kluft zwischen Stadt und Land bei
der finanziellen Inklusion untersucht. In diesem Forschungsbereich besteht ein weitgehender
Konsens darüber, dass MFD diese Kluft verringern. Allerdings sind ländliche Gebiete alles andere als
homogen und die durch MFD verursachte Zunahme der finanziellen Inklusion in ländlichen Gebieten
könnte größtenteils auf solche ländlichen Gebiete zurückzuführen sein, die in unmittelbarer Nähe zu
städtischen Gebieten liegen, während extrem ländliche Gebiete möglicherweise davon
ausgeschlossen bleiben. Es gibt mehrere Argumente, die für die zuvor genannte Hypothese sprechen,
wie z. B. ein Mangel an MFS-Infrastruktur (hauptsächlich Agenten und Netzwerke) in extrem
ländlichen Gebieten, ein Mangel an räumlichen Übertragungseffekten und das Hindernis einer
doppelseitigen Plattformstruktur von MFS (siehe unten); empirische Studien, die diese Argumente
stützen, liegen jedoch bislang nicht vor. Ziel dieses Forschungsprojekts ist es daher, den
Verbreitungsprozess von MFD zu untersuchen, insbesondere in Hinblick auf die Rollen räumlichen
Spillovers, von Externalitäten und des Zugangs zur MFS-Infrastruktur.
Ziele für nachhaltige Entwicklung (Vereinte Nationen)