Förderung von Dr. Jonathan Teubner als Einstein Independent Researcher (EPG-2025-919): "Adolf von Harnack and the Study of Early Christianity in the United States and Great Britain in the Twentieth Century"
Auf einen Blick
Evangelische Theologie
Einstein Postdoctoral Grant

Projektbeschreibung
Das Projekt untersucht, wie der deutsche Gelehrte Adolf von Harnack (1851–1930) die Erforschung des frühen Christentums in den USA und Großbritannien im 20. Jahrhundert geprägt hat und zielt auf eine Neubewertung dieser Prägung sowie der Bedeutung dieses Erbes für das Fach heute. Harnack war eine herausragende Gestalt der Theologie, hinterließ jedoch ein ambivalentes Erbe. Während ihm die Modernisierung der Erforschung des frühen Christentums zugeschrieben wird, stießen seine weiterreichenden Theorien – insbesondere zur „Hellenisierung“ des Christentums und zur scharfen Trennung von Christentum und Judentum – auf anhaltende Kritik. Über einen Zeitraum von vier Jahren hinweg zeichnet das Projekt nach, wie Harnacks Ideen an bedeutenden amerikanischen und britischen Institutionen aufgenommen, adaptiert oder abgelehnt wurden. Es fragt danach, wie seine theoretischen Ansätze durch Lehre, Publikationen und wissenschaftliche Netzwerke vermittelt wurden, wie sie mit theologischen Strömungen und aufkommenden Ansätzen der Religionswissenschaft interagierten und wie Annahmen über das Verhältnis des Christentums zur griechisch-römischen Kultur sowie zu den vielfältigen Ausprägungen des Judentums die Grenzen der Disziplin bestimmten. Indem die amerikanische und britische Rezeption miteinander in Beziehung gesetzt werden, entwickelt das Projekt eine vergleichende Rezeptionsgeschichte, die relevante Persönlichkeiten, institutionelle Kulturen und intellektuelle Zielsetzungen berücksichtigt. Die Forschung verbindet die eingehende Textanalyse mit institutionengeschichtlichen Untersuchungen. Das Ziel ist zweifach: zum einen die Erstellung der ersten umfassenden Darstellung der englischsprachigen Rezeption Harnacks und zum anderen der Entwurf eines zukunftsweisenden Rahmens für eine Erforschung des frühen Christentums, die den Dialog von methodisch strenger historischer Arbeit und Theologie fortführt und zugleich jüdisch-christliche Wechselwirkungen stärker integriert.