FORTSETZUNG OSTIA-I-PROJEKT (Ausgrabung, Auswertung & Publikation eines neu entdeckten Heiligtums des Apollo und Vulkan unter dem Forum von Ostia)
Auf einen Blick
Klassische, Provinzialrömische, Christliche und Islamische Archäologie
Stiftung Humboldt-Universität
Projektbeschreibung
Der früheste Hauptaltar und vermutliche Gründungsaltar von Ostia soll im Projektjahr 1 (2023/24) mit seinen umgebenden Schichten ausgegraben werden. 2016-2019 konnten bereits mehrere übereinander liegende Bodenaltäre freigelegt werden. Die Position von weiteren, jedoch tiefer liegenden Altären ist durch Georadarbilder von 2019 angedeutet, aber bislang nicht durch Ausgrabung belegt. Für alle weiteren Fragen ist ihre Ausgrabung also unerlässlich: Die Gestaltung, Funktionsweise und die verehrte(n) Gottheit(en), also die gesamte materielle Hinterlassenschaft dieser Frühphase des Heiligtums ist komplett unbekannt. Im geplanten Projektjahr 2 (2024/25) reiht sich die Frage nach den zu den Altären gehörigen Tempeln an. Bauaufnahmen und Testsondagen von 2020-2021 ermöglichten es, vor allem den spätesten und an der Oberfläche anstehenden Tempel in den Grundzügen zu rekonstruieren. Im Rahmen des Verlängerungsprojekts wäre vor allem der früheste Tempel, der bereits 2016 durch Georadar entdeckt worden war, auszugraben. Haben wir hier vielleicht Ostias ältesten Tempel lokalisiert? In Projektjahr 3 (2025/26) sollen die bislang noch gar nicht untersuchten Areale systematischen Testsondagen unterzogen werden (da eine vollständige Ausgrabung hier nicht in der zur Verfügung stehenden Zeit zu leisten wäre, aber Testsondagen durchaus breitere Flächen abdecken können). Dadurch kann man die Erstreckung des Heiligtums zu verschiedenen Zeiten ermitteln, aber auch nach weiteren Kultbauten suchen. Klar ist heute, dass bis 2021 weit weniger als 10% des Areals systematisch erforscht wurden: die bisherige Deutung auf Basis von Funden mußte sich daher vor allem auf Testsondagen stützen, deren statistische Aussagekraft erst bei größeren zusammenhängenden Ausgrabungsflächen nennenswert steigt (vgl. Projektbericht SHU Oktober 2021). Auch belastbare Aussagen zu den verehrten Gottheiten oder der Art der Weihgeschenke (und deren Aussage u. a. zu den internationalen Bezügen der Stifter, der Bedeutung des Heiligtums für Ostia oder auch Rom) basieren bislang auf einer isolierten, nicht flächendeckenden Befundanalyse. Dem Projektjahr 3 käme daher ein großer Zeugniswert für verallgemeinerbare Aussagen zur Gesamtheit des Heiligtums zu. Eine systematische Erforschung des gesamten Heiligtumsareals würde einzigartige Einblicke in die römische Religion ermöglichen: Gerade für Ostia, Roms erste und wichtigste Kolonie, ist es eine absolute Ausnahme, in der heutigen Zeit noch ein gesamtes Heiligtum, noch dazu offenbar das älteste und zugleich wichtigste Heiligtum der Stadt, komplett unberührt vorzufinden. Nur dank seiner späteren Überbauung ergibt sich noch die Chance, es als Zusammenhang nach neuestem Stand der Technik auszugraben und in Kooperation mit Naturwissenschaften umfassend zu analysieren.
Themen
Projektleitung
- Person
Dr. Axel Gering
- Institut für Archäologie
- Klassische Archäologie
Beteiligte Einrichtungen
Institut für Archäologie
Anschrift
Universitäts-Hauptgebäude, Unter den Linden 6, 10099 Berlin