Forum Romanum: Geschichte eines Zentrums zwischen antiker Konzeption und neuzeitlicher Rezeption
Auf einen Blick
Projektbeschreibung
Öffentliche Plätze gelten als sensibler historischer Spiegel der Gesellschaften, die sie schaffen und nutzen. Wie aber konstituiert sich konkret das Zusammenspiel zwischen der Konzeption des Raumes und den Bedürfnissen des gesellschaftlich-öffentlichen Lebens? Und inwieweit lässt sich die Gestaltung von Plätzen tatsächlich als historische Quelle für Interessen, Strukturen und Mentalitäten der jeweiligen Zeit interpretieren? Als Testfall ist das Forum Romanum, das öffentliche und politische Zentrum des antiken Rom, gewählt. Seit seiner Konstituierung im 7. Jahrhundert v. Chr. bis weit in die Spätantike hinein verändert sich sein Erscheinungsbild immer wieder. Diesen Prozess des Wandels gilt es auf seine Zusammenhänge mit gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftsgeschichtlichen Strukturen hin zu befragen. Dabei soll die Entwicklung des Forums vor allem auch als eine Problemgeschichte von miteinander konkurrierenden Faktoren beleuchtet werden; besondere Aufmerksamkeit gilt hier dem kontinuierlichen Spannungsverhältnis zwischen den Interessen der jeweiligen Gegenwart und der ihr präsenten Vergangenheit. Die Geschichte des Forums endet nicht mit seinem Verfall ab dem 7./8. Jahrhundert, sondern setzt sich fort, jedoch unter anderen Vorzeichen: Seit dem 15./16. Jahrhundert ist es die vom Befund weitgehend losgelöste, abstrakte Idee vom Forum als Raum staatlicher Repräsentation, die von den jeweils aktuellen Interessen neu modelliert und als Vorbild moderner Plätze (re-)konstruiert wird. Diese aktualisierten Vorstellungen vom Forum haben sich längst als eine zweite Realität etabliert, die sich immer wieder über die Realität der antiken Befunde legt, bis hinein in die (jüngste) Forschungs- und Ausgrabungsgeschichte. Die Geschichte des Forums zwischen antiker Konzeption und neuzeitlicher Rezeption - eine Geschichte, die überraschenderweise bislang nicht zusammenhängend diskutiert worden ist - erweist sich somit als exemplarischer Einblick in die Kulturgeschichte des öffentlich-politischen Raumes überhaupt.