Fotografie im Nationalsozialismus II
Auf einen Blick
DFG Sachbeihilfe
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Projektbeschreibung
In dem Forschungsprojekt sollen Alltagsfotografien aus dem Deutschen Reich und aus den besetzten west-polnischen Gebieten auf die Visualisierung von Inklusions- und Exklusionspraktiken hin untersucht werden, ebenso wie das Fotografieren selbst als eingreifender Akt, als Einschluss- bzw. Ausschlusspraxis. Im Mittel-punkt steht die Analyse der Selbstaufnahme von „Volksgenossinnen“ und „Volksgenossen“ sowohl im Hin-blick auf die Inszenierung und Performanz von Gemeinschaft als auch auf die Praktiken der Ausgrenzung, Gewalt und Stigmatisierung. Im „Jahrhundert der Bilder“ (Gerhard Paul) stellen Fotografien eine herausragende historische Quel-lengattung dar, die über schriftliche Quellen hinaus in besonderer Weise die alltäglichen Vergemein-schaftungsprozesse im Nationalsozialismus zu zeigen vermag. In vier Teilprojekten sollen die visuellen (Selbst-)Inszenierungen von Zugehörigkeit und Ausgrenzung im öffentlichen Raum, bei Festen und Feier¬tagen sowie in Betrieben, in „Täter-Fotos“ und in Aufnahmen aus den besetzten Gebieten untersucht werden. Der Prozess der Vergemeinschaftung wird in dem Projekt stets als ein vielschichtiger, womöglich gegenläufiger begriffen, in dem die Zumutungen wie Selbstverpflichtungen von Gemeinschaft ebenso in den Blick genommen werden wie der Ausschluss, aber auch die Abwehr von Gemeinschaft, das Sich-Entziehen, Vereinzelungen oder gar Individualisierungsbestrebungen. Das beantragte Forschungsprojekt versteht sich nicht zuletzt als ein Pionierprojekt, um den bislang noch relativ unentwickelten geschichtswissenschaftlichen Umgang mit fotografischen Quellen zu intensivie-ren und zu systematisieren.
Projektleitung
- Person
Prof. Dr. Michael Wildt
- Institut für Geschichtswissenschaften
- Historische Diktaturforschung mit dem Schwerpunkt im Nationalsozialismus