Gelehrt, praktisch, populär - Graphologie in Deutschland 1890-1949 (bisher: Auf der Suche nach dem modernen Subjekt. Zur Entstehung, Verwissenschaftlichung und Verwendung von Charaktersemantiken in Deutschland 1890-1939, Teilprojekt 1)

Auf einen Blick

Laufzeit
06/2005  – 05/2006
Förderung durch

DFG Sachbeihilfe DFG Sachbeihilfe

Projektbeschreibung

Das Promotionsvorhaben beschäftigt sich mit der Verwissenschaftlichung der Charaktersemantik zwischen 1890 und 1933. Die Leithypothese besteht in der Annahme, dass sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts der einzelmenschliche Charakter als eine fundamentale Kategorie der Gesellschaft etablierte. Anders als die bürgerliche Kategorie der Subjektivität, über die Individuen Rechte, Handlungs- und Erkenntnisvermögen zugeschrieben wurde, fungierte Charakter als Zuschreibungskategorie individueller Eigenschaften. Die wissenschaftlichen Charakterologien, mit deren Hilfe Menschen als Gesamtpersönlichkeit bewertet wurden, stellten also den erkenntnistheoretischen Grenzfall einer Wissenschaft des Individuellen dar. Zum einen soll gezeigt werden, wie sich die Wissenschaftsförmigkeit der Charakterologien durch einen allgemeinen Trend zur Ästhetisierung und Verlebensweltlichung der Humanwissenschaften einstellte. Zum anderen wird untersucht, inwiefern es vor allem bildungsbürgerliche Lebenswelten und Wahrnehmungsweisen waren, die in den Charakterologien objektiviert wurden, und so tradierte Muster sozialer Ungleichheit durch wissenschaftliche Legitimation fortgeschrieben wurden.

Projektleitung

  • Person

    Prof. Dr. phil. Wolfgang Hardtwig

    • Institut für Geschichtswissenschaften