Geschlecht und gesellschaftliche Visionen - 30 Jahre Einmischen, Gestalten, Provozieren
Auf einen Blick
Projektbeschreibung
Die Frauen- und Geschlechterfrage besitzt eine herausragende Bedeutung sowohl in der Friedlichen Revolution von 1989 als auch in den Folgejahren der politischen Transformation und der Wiedervereinigung. Insbesondere die Rolle der Frauen in diesen Prozessen ist in der Forschung, Erinnerungskultur und öffentlichen Debatte immer noch ungenügend reflektiert.
Im gesamtdeutschen Kontext kommt es häufig zu einer Abwertung ostdeutscher Erfahrungen. In der Gegenwart sind es insbesondere neonationalistische Vorgänge, die einen negativen Blick auf die Geschichte und das Selbstverständnis Ostdeutschlands werfen und in deren Zentrum oft eine symbolische Geschlechterordnung steht, die Frauen eine den Männern nachrangige Rolle im gesellschaftlichen Leben zuschreibt. Rechtsradikale Tendenzen männlicher Jugendlicher in den Neuen Bundesländern werden in der öffentlichen Diskussion wiederum häufig verkürzt mit einer ostdeutschen familiären Sozialisation in Verbindung gebracht.
Die Konferenz möchte mit nationalen und internationalen Expertinnen und Experten dazu beitragen, differenzierter über Ostdeutschland und insbesondere die Geschlechterordnung in den Neuen Bundesländern nachzudenken.
Ein weiteres Anliegen der Konferenz ist es, zur Überarbeitung des kollektiven Gedächtnisses in der Art beizutragen, dass Erfahrungen und Wege der Gewinnung von Handlungsmacht von Menschen in der DDR besser wahrgenommen werden. Es waren der Mut und die Zivilcourage, die 1989 emanzipatorische Veränderungen ermöglichten. Darüber hinaus wurden insbesondere im Bereich der Literatur, Kultur und Kunst gesellschaftliche Visionen skizziert. Diese wollen wir neu befragen, um mehr über damalige Visionen zu erfahren, als auch Solidarität heute neu zu entwerfen.
Diese Aspekte sollen im Rahmen einer zweitägigen Konferenz erörtert werden, die sich an eine wissenschaftliche, aber auch breite Öffentlichkeit wenden soll. Geplant sind mehrere Hauptvorträge, verschiedene Panels mit Kurzvorträgen und Diskussionen. Weitere Veranstaltungsformate sollen die wissenschaftlichen Debatten bereichern. Dazu gehören Führungen an ausgewählte Orte der Erinnerung und Forschung in Berlin, ein biografischer Workshop sowie eine Filmvorführung mit Diskussion und ggf. eine Performance.