Hermeneutik und Logik um 1600
Auf einen Blick
Fritz Thyssen Stiftung
Projektbeschreibung
Die Untersuchung nimmt ihren Ausgangspunkt von einer Innovation, die sich in der Hermeneutik und der Logik um 1600 ereignet und die im 17. Jh. weitgehend Bestand haben wird. Es ist das erste Mal, daß hermeneutische Auslegungsregeln Aufnahme in ein logisches Lehrwerk finden. Auf den ersten Blick erscheint das ebenso überraschend wie es zu diesem Zeitpunkt vollkommen singulär ist. Anhand der Nachzeichnung der Veränderungen, die sich in der Logik im 16. Jh. vollziehen ebenso wie die Wandlungen der hermeneutica sacra, nicht zuletzt in der Folge der Reformation, verliert sich bei dieser Innovation der überraschende Eindruck. Die Rekonstruktion der verschiedenen Aspekte der epistemischen Situation, in der die Integration in die Logik erfolgt, macht das Ereignis nachvollziehbar. Voraussetzung freilich ist, daß mehr als es gemeinhin geschieht, die Komplexität der Problembezüge anhand der Fülle des Materials analysiert, in denen die hermeneutica sacra als Beweislehre für die theologische Wissensansprüche steht, die besonderen Umstände und Themen der sich ausbildenden kontroverstheologischen Auseinandersetzungen nicht zuletzt innerhalb des Protestantismus beachtet, sowie Veränderungen bei anhaltenden Konflikten einbezieht etwa der hinsichtlich der Rolle, welche von der Philosophie, insbesondere Logik und Metaphysik, bei der Gewinnung wie der Verteidigung theologischer Wissensansprüche erwartet wird. Die zunächst als unvermittelt erscheinende Aufnahme von Auslegungsregeln in Lehrwerke der Logik, die zudem im Rahmen der Logikauffassung selbst begründet wird, lässt sich dann verstehen als die Antwort auf ein komplexes Problem in einer bestimmten epistemischen Situation.
Projektleitung
- Person
Prof. Dr. phil. Lutz Danneberg
- Institut für deutsche Literatur