Heterodoxe Planung im Zeitalter der Polykrise

Auf einen Blick

Laufzeit
05/2026  – 04/2031
DFG-Fachsystematik

Sozialwissenschaften

Förderung durch

Einstein Stiftung Berlin Einstein Stiftung Berlin

Projektbeschreibung

Heterodoxe Planung im Zeitalter der Polykrise

Die Literatur zum neuen Staatskapitalismus dokumentiert den weltweiten Aufstieg interventionistischer Formen der öffentlichen Planung. Die damit verbundenen Veränderungen bilden die Grundlage für eine erneute Debatte über Wirtschaftsplanung, die sich zunehmend darauf konzentriert, ob neue digitale Technologien neue Formen der demokratischen Planung ermöglichen und ob die ökologische Krise diese notwendig macht. Während der Aufstieg des transnationalen Rechtsextremismus darauf hindeutet, dass die Rückkehr der Planung autoritärere Formen annehmen könnte, experimentieren andere postneoliberale Planungsansätze mit partizipativen Modellen.

Das Projekt „Heterodox Planning” (HP) hat zum Ziel, solche Experimente in der Wirtschaftsplanung zu untersuchen, die von konventionellen Ansätzen abweichen. Wirtschaftsplanung wird hier als die aktive und bewusste Gestaltung von Märkten innerhalb von Marktwirtschaften definiert. Heterodoxe Planungsprojekte zielen darauf ab, partizipativere, sozial inklusivere und nachhaltigere Formen der Planung zu entwickeln. Die Möglichkeiten, Hindernisse und Widersprüche solcher heterodoxer Planungsansätze sind für eine normativ fundierte Sozialwissenschaft von großem Interesse, insbesondere in Zeiten sich überschneidender Krisen.

Der empirische und theoretische Schwerpunkt von HP lässt sich wie folgt erklären: Während sich die neue Debatte über Wirtschaftsplanung weitgehend auf Theorien der postkapitalistischen Planung konzentriert, gibt es nur wenige empirische und theoretische Arbeiten zu der ursprünglichen Prämisse der Debatte, dass „Planung im Kapitalismus bereits endemisch ist“. HP befasst sich mit diesem Punkt, indem es sich auf Planungsprozesse innerhalb von Marktwirtschaften konzentriert. Aufbauend auf meinen früheren Arbeiten verlagert das Projekt den Fokus von hegemonialen Planungspraktiken auf heterodoxe Formen und untersucht zwei Fälle heterodoxer Planung: den Aufbau von Gemeinschaftsvermögen und Plattformgenossenschaften. In beiden Fallstudien untersucht HP die Akteure der Planung, was sie planen, wie Deliberation und parametrische Mediation integriert sind, wie zentrale Mediation und lokale Autonomie kombiniert werden und welche Strategien sie für den Wandel verfolgen. Die wichtigsten Methoden sind teilnehmende Beobachtung, halbstrukturierte Interviews und Dokumentenanalyse.

Projektleitung

  • Person

    Prof. Dr. Philipp Sebastian Staab

    • Institut für Sozialwissenschaften
    • Soziologie von Arbeit, Wirtschaft und technologischem Wandel