Historische Bestände zu Sport und Medizin – Massenentsäuerung im Bestand der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

Auf einen Blick

Laufzeit
07/2026  – 12/2026
Förderung durch

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Projektbeschreibung

Die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, gegründet 1831, ist die älteste UB in Berlin mit einem umfassenden Altbestand. Ein großer Teil des Altbestands fällt in die Zeit 1850-1950, in der Papiere und Pappen infolge industrieller Herstellungsverfahren säurehaltig und durch chemische Abbauprozesse bedroht sind. Der Bestand nach 1950 ist von DDR-Publikationen und somit ebenfalls von saurer Papierqualität geprägt. Massenentsäuerung ist – neben Reinigung, Prävention und Einzelrestaurierung – ein wichtiger Baustein der Bestandserhaltung an der UB.
In dem hier vorgestellten Projekt wird beabsichtigt, seltene Bestände und Pflichtexemplare aus dem Bereich Sportwissenschaft und Medizin in den Fokus zu nehmen. Eine Bearbeitung ist nicht nur dringend, weil gerade der Zeitschriftenbestand von Säureschäden besonders bedroht ist, sondern auch, weil ein Digitalisierungsprojekt geplant ist.
Die ausgewählten Bestände stammen aus den zwei Zweigbibliotheken Campus Nord und Grimm-Zentrum. Im Campus Nord wurden 500 sporthistorische Titel ausgewählt. Diese stammen zum Großteil aus privaten Spezialbibliotheken von Turnpädagogen, den Vordenkern der modernen Sportwissenschaft, die im 19. und frühen 20. Jh. an der Königlich Preußische Landesturnanstalt wirkten. Der medizinhistorische Bestand ist überwiegend im Grimm-Zentrum untergebracht und stammt aus der früheren „Zentralen Universitätsbibliothek“. Beide Bestände haben hohe Relevanz für die Fachgeschichte sowie für die sozial- und allgemeinhistorische Forschung. Sportgeschichtliche Titel werden häufig in der Fernleihe angefragt, es bestehen zudem konkrete wissenschaftliche Kooperationen. Es sind vielfach sehr seltene Titel, ein erheblicher Teil Alleinbesitz; auch eine hohe Dichte an Pflichtexemplaren liegt vor. Der medizinhistorische Bestand besteht fast vollständig aus Pflichtexemplaren und v.a. Zeitschriften, darunter seltene Titel relevant für die sexualwissenschaftliche Forschung und die Gender Studies. Die UB übte das Pflichtrecht für die Region Berlin-Brandenburg von 1825 bis 1970 aus. Diese Überlieferung hat besonderen Wert, da die UB im zweiten Weltkrieg wenig Kriegsverluste erlitten hat und deshalb Verluste anderer Bibliotheken kompensieren kann.
Die Universitätsbibliothek konnte 2023 in einem Pilotprojekt 2023 sowie 2024 in dem von der BKM und dem Land Berlin geförderten Projekt SP1-2024-09 bereits positive Erfahrung mit der Massenentsäuerung gewinnen.
Die UB plant, die ausgewählten Bestände vorzusortieren und als Dienstleistung im Flüssigphasenverfahren mit Lösungsmittel oder durch Dispersion zu entsäuern (nach DIN 32701). Die Maßnahme wird sowohl physisch im Buch als auch im Katalog dokumentiert.