Historische Forschung, Lehre und Geschichtsschreibung an der Humboldt-Universität zu Berlin in der SBZ/DDR zwischen 1945 und 1968 II

Auf einen Blick

Laufzeit
01/2009  – 03/2010
Förderung durch

DFG Sachbeihilfe DFG Sachbeihilfe

Projektbeschreibung

<p>Das Projekt ist eine Fallstudie zu einem wichtigen Zentrum der Geschichtswissenschaft der SBZ/DDR. Im Mittelpunkt stehen Lehre, historische Forschung und Geschichtsschreibung am Historischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) zwischen 1945 und 1968. Der wissenschaftsgeschichtliche Ansatz soll mit einer allgemeinen Fragestellung zur politischen Kultur der DDR verknüpft werden.</p>
<p>Die Geschichtswissenschaft der HU war eine zentrale Instanz für die Herstellung und Vermittlung des sozialistischen Geschichtsbildes. Sie fungierte als Ausbildungsanstalt für Geschichtslehrer, für zukünftige SED-Funktionäre und Fachwissenschaftler. Die Historiker der Universität waren im fachwissenschaftlichen Kommunikationssystem DDR-Geschichtswissenschaft präsent und trugen zur Geschichtserzählung in der DDR wesentlich bei.</p>

<p>Das Projekt untersucht am Beispiel der HU-Geschichtswissenschaft die Verwandlung des verordneten kommunistischen Geschichtsbildes in eine beherrschte] Normalwissenschaft mit spezifischer Fachlichkeit. Geklärt werden sollen die theoretischen Grundlagen des neuartigen Wissenschaftskonzeptes und die von ihm hervorgebrachte wissenschaftliche Praxis. Dies bedeutet im einzelnen die Analyse der institutionellen Organisation und der inhaltlichen Ausgestaltung von historischer Forschung und Lehre, sowie der bislang unzureichend erforschten DDR-Geschichtsschreibung im engeren Sinn; Beachtung verlangt schließlich, gerade beim systematischen Bruch mit der sogenannten bürgerlichen Wissenschaft, der Zusammenhang von Wissenschaftlerbiographien und wissenschaftlicher Arbeit. Die wissenschaftsgeschichtliche Fragestellung soll in den allgemeinen Kontext der unterschiedlichen Konstruktion(en) und Synthesen historischen Wissens im Zeitalter der Extreme eingebettet werden.</p>

<p>Die Erforschung der wissenschaftlichen Basis der Geschichtskultur der DDR führt in das ideelle Innere dieses Staates und seiner Geschichte. Zum einen legitimierte sich die kommunistische Herrschaft in hohem Maße durch eine wissenschaftsförmig verfasste Vorstellung von Fortschritt und Geschichte. Zum anderen orientierten sich die DDR-Historiker an jenem idealen Konsens von Staat und Gesellschaft, der in unterschiedlichen Ausprägungen auch die SED-Diktatur insgesamt stützte. Das Projekt kann daher über die wissenschaftshistorische Fragestellung hinaus dazu beitragen, die Bedingungen für den paradoxen Verlauf der DDR-Geschichte zwischen langer Dauer und plötzlichem Zusammenbruch zu klären.</p>

Projektleitung

  • Person

    Prof. Dr. phil. Wolfgang Hardtwig

    • Institut für Geschichtswissenschaften