Implizite und explizite mentale Prozesse in kritischen Phasen von Rückschlagsportarten: Der Einfluss der Selbststeuerung auf die Wettkampfleistung im Tischtennis, Badminton und Tennis
Auf einen Blick
Sonstige Bundesmittel
Projektbeschreibung
Besonders in den kritischen Situationen des Wettkampfs sind es nicht in erster Linie die rationalen und bewussten Prozesse, die über die Leistungsfähigkeit des mentalen Systems entscheiden. Vielmehr lässt sich die Verhaltenssteuerung unter Belastungsbedingungen mit den Begriffen Intuition, automatisierte/ autonome Mechanismen oder Bedürfnisse/ Befürchtungen umschreiben. Das vorliegende Projekt erschließt die implizite Dimension der Verhaltenssteuerung exemplarisch anhand der Spielsportarten Tischtennis, Badminton und Tennis.
Effizientes Leistungshandeln ist charakterisiert durch die Kongruenz von Motivationssystemen. Kongruent und passfähig sollte beispielsweise die Ebene elementarer Bedürfnisse mit der Ebene des reflektierten Willens sein. Uneffektiv für die sportliche Leistung wäre z.B. ein Konflikt zwischen dem Leistungs- und dem Anschlussmotiv. Ein solcher Konflikt führt in der Regel zu Anspannung und Zerrissenheit.
Die geplanten Studien beziehen sich auf reales Wettkampfverhalten in den Sportspielen Tischtennis, Badminton und Tennis. Dazu werden Bundesligabegegnungen vollständig videografiert und nachträglich experimentell nach einem Ex-post-facto-Design analysiert. Als grundlegende Bedingungsfaktoren gelten implizite bzw. explizite Motivkennwerte in Wechselwirkung mit kritischen bzw. unkritischen Leistungssituationen. Vertieft wird diese Analyse durch den Faktor bewusste vs. unbewusste Leistungsregulation. Gemessen werden verschiedene Leistungsvariablen des Wettkampfs sowie druckvolles vs. nicht-druckvolles Spielverhalten als Anforderungsmerkmale der drei Sportarten.
Die Ergebnisse der Studie führen zu einer Neubewertung bislang ungelöster Fragen in der Leistungspsychologie, etwa zum Siegeswillen, zum Phänomen des Trainingsweltmeisters oder zum Ausstieg aus dem Leistungssport (Drop-out). In diagnostischer Hinsicht erschließen sie die indirekten Messverfahren als Standardinstrumente für den Leistungssport.
Projektleitung
- Person
Prof. i. R. Dr. Hanno Strang
- Sportpsychologie