Interdisziplinäres deutsch-griechisches Kooperationsprojekt: "Archäologisch-historische Feldforschungen in Nordwestgriechenland" (Plaghia-Halbinsel - Survey-Projekt IV)

Auf einen Blick

Laufzeit
09/2004  – 08/2005

Projektbeschreibung

In den bisherigen landschaftsarchäologischen Forschungen in Griechenland wurde das Gebiet Nordwest-Griechenland weitgehend vernachlässigt. Ausgehend von einer siedlungsarchäologischen und strukturgeschichtlichen Fragestellung zielt das Projekt auf die Erfassung der Veränderungen der Plaghiá-Halbinsel im nordwest-griechischen Akarnanien im Laufe der Geschichte. Die Nutzungsweisen eines Raumes gründen auf komplexen Interdependenzen naturräumlicher, politisch-sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Art. Die Gestaltung von Landschaft und der Umgang mit ihr spiegeln also die Organisation, das Denken und die Wahrnehmung einer Gesellschaft.
Der anthropogene Einfluß auf der Plaghiá-Halbinsel - erkennbar durch die materiellen Hinterlassenschaften, die im Rahmen des intensiven Rastersurveys systematisch prospektiert werden - läßt sich in der materiellen Topographie nachzeichnen und macht deutlich, daß man in den einzelnen Epochen in derselben Landschaft in unterschiedlicher Weise lebte. Hierfür sind einerseits paläogeographische und -ökologische Veränderungen mit ihren Auswirkungen u.a. auf die wirtschaftlichen Nutzungspotentiale verantwortlich, andererseits sind diese Umgestaltungen auch das Ergebnis von gewandelten ideologisch-kognitiven Vorstellungen der Bewohner. Durch die Verbindung verschiedener Wissenschaftsdisziplinen (Altertumswissenschaften, Sprachforschung, Ethnologie, Bio- und Geowissenschaften) wird sichergestellt, daß die synchronen und diachronen Wechselbeziehungen Mensch - Natur, die das Artefakt Landschaft Plaghiá hervorbrachten, in vollem Umfang erfaßt werden. Die Einzelergebnisse werden in regelmäßigen Workshops ausgetauscht und in ihrer Vielschichtigkeit durch die Nutzung von GIS/AIS-Anwendungen darstellbar. Sie sind Grundlage, um Strukturen, Kontinuitäten und Diskontinuitäten in der geschlossenen Siedlungskammer Plaghiá-Halbinsel im Verlauf ihrer historischen Entwicklung beschreiben zu können. Schon jetzt zeigt sich, daß die Ergebnisse exemplarischen Charakter für die regionale Strukturgeschichte Nordwest-Griechenlands haben und eine in vieler Hinsicht neue Bewertung dieses Raumes und seiner Geschichte zu erwarten ist. Ausgehend von diesen Resultaten wird in einem weiteren Schritt eine Theorie der Landschaft entwickelt, die Erklärungsmuster zur Komplexität und Dynamik des Systems Landschaft mit seinen Subsystemen Geosphäre, Biosphäre und geistige Sphäre des Menschen aufzeigt. Abgesehen vom wissenschaftlichen Aspekt bietet das Projekt didaktische Möglichkeiten. Zum einen erhalten 20 Studierende pro Kampagne, die in allen Arbeitsbereichen rotierend eingesetzt werden, eine praxisorientierte feldarchäologische Ausbildung. Zum anderen sind verschiedene Themen für Prüfungsarbeiten (Magister, Diplom, Dissertation) vergeben worden.
Abgesehen vom wissenschaftlichen Aspekt bietet das Projekt didaktische Möglichkeiten. Zum einen erhalten 20 Studierende pro Kampagne, die in allen Arbeitsbereichen rotierend eingesetzt werden, eine praxisorientierte feldarchäologische Ausbildung. Zum anderen sind verschiedene Themen für Prüfungsarbeiten (Magister, Diplom, Dissertation) vergeben worden.

Projektleitung

  • Person

    Dr. phil. Franziska Lang

    • Klassische Archäologie / Nachwirkungen der Antike