„Jiddische Literaturtheorie des früheren 20. Jahrhunderts. Ein zweisprachiger Reader“

Auf einen Blick

Laufzeit
01/2026  – 10/2027
DFG-Fachsystematik

Literaturwissenschaft

Förderung durch

Stiftung Humboldt-Universität

Projektbeschreibung

Der geplante Reader jiddischer Literaturtheorie- und kritik soll in seinem zweisprachigen Layout (Jiddisch-Deutsch) und seiner wissenschaftlichen Ausrichtung eine Lücke in der deutschsprachigen Forschungs- und Publikationslandschaft schließen. Eine solche Publikation hat kein direktes Pendant in anderen Sprachen, schöpft jedoch Inspiration aus den wenigen in Vorjahren publizierten Textsammlungen jiddischer Kunst- und Literaturkritik. Die gänzlich auf Jiddisch abgedruckte richtungsweisende Essaysammlung der Düsseldorfer Jiddistik “Der ganzen Welt benachbart. Anthologie jiddischer Essays” von 2023 (Hrsg. Gal-Ed, Neuberg, Vakhrushova) bleibt einem engen jiddistischen Kreis vorbehalten. Ebenso die 2024 in der Ukraine erschienene ukrainischsprachige Anthologie “Manifeste[n] und Dokumenten der jüdischen Avantgarde” (Hrsg. Kazovski), die Manifeste sowie Essays von auf Jiddisch verfasster Kunsttheorie vereinigt, sich jedoch kaum mit literarischen Phänomenen auseinandersetzt. Auch die frühe (2005) von Karolina Szymaniak besorgte polnischsprachige Anthologie, die kunst- und literaturkritische Texte der Warschauer Avantgarde versammelt, ist eine rare Quelle manifestartiger Texte in Übersetzung.
Die vorliegende Anthologie bietet einem deutschsprachigen sowie internationalen jiddischsprachigen Publikum die Möglichkeit, die jiddische Literaturtheorie des früheren 20. Jahrhunderts in ihrer Bandbreite zu entdecken. Der Band richtet sich vor allem an Studierende, Literaturwissenschaftler*innen und Interessierte der Slawistik, Jiddistik und der Jüdischen Studien. Als jiddistisches Gegenstück ergänzt die Sammlung den ersten Band mit ukrainischer Literaturtheorie und kontrastiert mit ihr die jiddische in ihrer nationalen und transnationalen Spezifik. So fanden formalistische Ideen mit der Flucht und Migration namhafter jiddischer modernistischer Dichter:innen Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Weg in die USA, wo eine zu Russland und zur späteren Sowjetunion, besonders Ukraine, Belarus und Russland, sowie Polen parallele literaturtheoretische- und kritische Auseinandersetzung auf Jiddisch stattfand.