Josef, der Traumdeuter – eine neue Analyse des ägyptischen Hintergrunds der Josefgeschichte

Auf einen Blick

Laufzeit
06/2027  – 05/2030
DFG-Fachsystematik

Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften

Evangelische Theologie

Förderung durch

DFG Sachbeihilfe DFG Sachbeihilfe

Projektbeschreibung

Die Frage nach dem ägyptischen Hintergrund der Josefgeschichte beschäftigt die alttestamentliche wie die ägyptologische Forschung seit bald 200 Jahren. Während in der Vergangenheit ägyptische Quellen des 2. Jt.s v. Chr. herangezogen wurden, untersucht das beantragte Forschungsprojekt Material aus dem 7.-4. Jh. Im Mittelpunkt stehen zwei ägyptische Papyri, die das Motiv der Träume und der Traumdeutung neu kontextualisieren. Der hieratische Papyrus Berlin 23071 vs und der demotische Papyrus Carlsberg 465 rt enthalten signifikante Ähnlichkeiten zur Josefgeschichte, v.a. für das Motiv der siebenjährigen Hungersnot sowie den Motivkomplex des Pharaos, der einen Traum hat, diesen nicht versteht und für die Deutung einen Traumdeuter holt.
Das Forschungsprojekt hat ein dreifaches Ziel:
(1) Ausgehend von den beiden genannten Papyri sollen spätägyptische Quellen zum Themenkomplex „Traum und Traumdeutung“ aufgearbeitet und auf die Josefgeschichte bezogen werden. Damit wird ein Forschungsdesiderat thematisiert, auf das bereits Hans-Peter Müller (1971), Nili Shupak (2006) und Michael V. Fox (2012) hingewiesen haben, das jedoch bislang weder von der alttestamentlichen, noch von der ägyptologischen Forschung zufriedenstellend bearbeitet wurde.
(2) Der Themenkomplex „Traum und Traumdeutung“ soll kontextualisiert werden durch die demotische Erzählliteratur (etwa den Inaros-Petubastis-Zyklus) und durch eine neue Analyse des ägyptischen Hintergrunds der Josefgeschichte auf Basis spätägyptischer Quellen.
Darauf aufbauend (3) soll die These von der Josefgeschichte als Diasporanovelle der Perserzeit unter Berücksichtigung der aktuellen exegetischen Fachdiskussion ausgearbeitet werden. Damit wird diese These, die in der alttestamentlichen Forschung schon länger als Alternative zur klassischen Verortung von Gen 37-50 im Kontext des Nordreichs Israel diskutiert wird, erstmals in monographischer Fassung aufgeführt
Dieses dreifache Forschungsziel basiert auf umfangreichen Vorarbeiten aus dem ERC-Projekt des Antragstellers über demotische Papyri und das Alte Testament. Durch die Zusammenarbeit mit den weltweit führenden Demotisten Kim Ryholt (Kopenhagen) und Joachim Friedrich Quack (Heidelberg) konnten die oben genannten Papyri für das beantragte Forschungsvorhaben identifiziert werden. Zudem hat der Antragsteller im Rahmen seiner mehr als 25-jährigen Forschungen zu Ägypten und dem Alten Testament sich in mehreren Aufsätzen mit dem ägyptischen Hintergrund der Josefgeschichte und der aktuellen literargeschichtlichen Debatte zu Gen 37–50 befasst (Schipper 2011, 2013, 2018a, 2018b, 2019, 2021).
Aufgrund der Komplexität der zum Teil nicht edierten ägyptischen Papyri ist das Projekt so angelegt, dass der Projektmitarbeiter bzw. die Projektmitarbeiterin die ägyptischen Quellen und der Antragssteller die alttestamentliche Perspektive bearbeitet.