Kontexte der Biowissenschaften. Zur sozio-kulturellen Wirksamkeit einer neuen Technologie

Auf einen Blick

Laufzeit
08/2003  – 07/2005
Förderung durch

DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe) DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe)

Projektbeschreibung

Analysiert wurden die aktuelle Debatte um Probleme der Bioethik in Deutschland und deren Schlüsselkategorien (Mensch, Würde) sowie die ihr unterlegten kulturanthropologischen Vor-annahmen und Implikationen. Dazu stützt sich die Studie auf Unterlagen der Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages zu Problemen der Gentechnologie, Bundestagsde-batten sowie die humanwissenschaftliche Diskussion zum Thema. Im Vordergrund der Unter-suchung stehen die der bioethischen Debatten unterlegten Argumentationsmuster, welche einer Diskursanalyse unterzogen werden. Das Forschungsinteresse fokussiert auf das Verhältnis von Biowissenschaften und Kulturanthropologie.<br>
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Eingehend berücksichtigt wird die Differenz, die zwischen dem Menschen und dem Embryo kulturanthropologisch eine definitorische Lücke läßt, weshalb sich Frühstadien menschlicher Embryonalentwicklung kulturanthropologisch nicht eindeutig bestimmen lassen. Sie stellt das vorrangige Thema innerhalb des Disputs um die Legitimität biowissenschaftlicher Forschung und Praxis (z.B. im Bereich der Stammzellforschung und der Reproduktionstechnologien) dar. Von Bedeutung ist dabei der symbolische Status des zu Illustrationszwecken in den Medien oder zur Unterstreichung bestimmter Thesen verwendeten Bildmaterials. Kulturanthropolo-gisch ist die Frage der Darstellung des Menschen oder solcher Entitäten, die als Mensch gelten, von Bedeutung. Ein Schwerpunkt des Untersuchungsprojekts liegt daher darin, Aspekte der Bildwissenschaft für eine kulturwissenschaftliche Untersuchung der bioethischen Diskussion fruchtbar zu machen. Einen weiteren Schwerpunkt nimmt die Auseinandersetzung mit dem in den Rechtswissenschaften geführten Diskurs bzgl. der Biowissenschaften ein, der für die ge-sellschaftliche Diskussion als zentral zu werten ist, da er ethische, soziologische und philoso-phische Motive aufnimmt, um sie dem Bemühen um Institutionalisierungspraxen zuzuführen. Hier steht die Auswertung einschlägiger Urteile von Bundesgerichtshof und Bundesverfas-sungsgericht sowie der in rechtswissenschaftlichen Fachzeitschriften geführten Diskussion im Vordergrund. Auch hier finden sich immer wieder Fragen nach dem verhandelten Menschen-bild. Daneben dominiert in diesen Diskussionen die Frage der Reichweite einer Institution wie der Menschenwürde .<br>
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Die Analyse der bioethischen Debatte zeigt, daß auch die Bedeutung so bedeutsamer ethischer Kategorien wie der Menschenwürde gesellschaftlich diskursiv hergestellt wird und an be-stimmte bildliche und sprachliche Repräsentationsmuster gebunden ist. Im Zuge der Bioethik-debatte ist nun eine kulturanthropologische Verschiebung des Begriffs Mensch zu beobach-ten, wodurch gewährleistet werden soll, daß auch früheste Stadien der menschlichen Embryo-nalentwicklung unter den Schutz der Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes fallen. Diese Entwicklung hat jedoch den Effekt, daß mit ihr die Grundprämissen einer kantischen Ethik zur Disposition gestellt werden, die anthropologisch auf solche frühembryonalen Lebensformen nur sehr bedingt zugreifen.

Projektleitung

  • Person

    PD Dr. Jörn Ahrens

    • Kulturtheorie