Kuschiten in Theben: Die Spiegelung kultureller Regelsysteme in archäologischen Befunden aus dem spätzeitlichen Ägypten

Auf einen Blick

Laufzeit
06/2007  – 05/2008

Projektbeschreibung

<p>Gegenstand des Projekts sind Nachweise von Kuschiten aus dem heutigen Sudan stammende Personen im archäologischen Befund des spätzeitlichen Thebens in Ägypten (8.-7. Jahrhundert v. Chr.). Besonders signifikante Elemente der materiellen Kultur dieser Menschen in einem fremden Umfeld, Wege der Akkulturierung, Arten der indigenen kulturellen Identität und vor allem die in archäologischen Relikten fassbare Abstraktion verschiedener kultureller Regelsysteme werden dabei in den Vordergrund gestellt.</p>

<p>Untersucht werden sollen architektonische Relikte, die von Kuschiten errichtet, kulturell geprägt oder beeinflusst wurden, sowie Überreste kuschitischer Grabausstattungen und weiteres Fundmaterial, das mit Kuschiten in Zusammenhang gebracht werden kann. Dabei ist zwischen Objekten ägyptischer Herkunft mit individueller Prägung und Gegenständen, die aus dem heutigen Sudan nach Ägypten gebracht wurden und dementsprechend vermutlich kulturspezifische Lebensgewohnheiten spiegeln, zu unterscheiden.</p>

<p>Die Architektur wird im Kontext der thebanischen Nekropole analysiert (Verteilung und Größe der Bauten, Grabtyp, Beziehungen zu bereits bestehenden Anlagen, zu Kult- und Nekropolenwegen, zu natürlichen und künstlichen Landmarken). Der Charakter kuschitischer Grabausstattungen in Theben soll besonders im direkten Vergleich zu zeitgleichen ägyptischen Bestattungen herausgearbeitet werden. Kontemporäre Bestattungsinventare, die im heutigen Sudan entdeckt wurden, werden ebenso für Vergleichszwecke herangezogen. In Form eines Kooperationsprojekts des Instituts für Ägyptologie der Universität Wien, des Österreichischen Archäologischen Instituts, Zweigstelle Kairo und des Seminars für Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrika der Humboldt-Universität wurden die archäologischen Arbeiten im Asasif (Luxor, Ägypten) wieder aufgenommen. Der Teilabschnitt der thebanischen Nekropole, der unter dem Namen Asasif bekannt ist, liegt in der Ebene vor dem Talkessel von Deir el-Bahari. Hier wurden vor allem in der ägyptischen Spätzeit (8.-4. Jahrhunderts v. Chr.) aufwendige Grabbauten errichtet, u.a. die Monumentalgräber der Fünfundzwanzigsten und Sechsundzwanzigsten Dynastie, die heute als weithin sichtbare Landmarken beliebte Touristenorte sind.
Die erste Kampagne fand vom 29. September bis 24. November 2007 statt. Im Mittelpunkt stand die Bearbeitung von Fundmaterial aus dem Monumentalgrab TT 414 und kleineren Anlagen.</p>

<p>Das Vorhaben folgt modernen Richtlinien der Auswertungsmöglichkeiten funerärer Archäologie, die innerhalb der Ägyptologie bislang oft nur unzureichend ausgeschöpft wurden. Im Herbst 2007 soll ein achtwöchiger Feldforschungsaufenthalt in Ägypten stattfinden. Das Untersuchungsgebiet ist unter dem Namen Asasif bekannt und umfasst einen Teilabschnitt der thebanischen Nekropole, dessen besondere Blütezeit während der 25. und 26. Dynastie anzusetzen ist. Die dortigen archäologischen Arbeiten werden gemeinsam vom Österreichischen Archäologischen Institut, Zweigstelle Kairo und dem Seminar für Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas der Humboldt-Universität durchgeführt. Die erste Kampagne soll es ermöglichen, die Befundlage zum vorliegenden Forschungskonzept zu klären und weitere Arbeitsschritte gezielt zu setzen.</p>