Long Covid und die Wiederherstellung von Reproduktionsvermögen in Paarbeziehungen und im vergeschlechtlichten Lebenszusammenhang – Sozialrechtliche und intersubjektive Nicht/Anerkennung erkrankter Sorgeleistender

Auf einen Blick

Laufzeit
10/2026  – 09/2029
DFG-Fachsystematik

Empirische Sozialforschung

Förderung durch

DFG Sachbeihilfe DFG Sachbeihilfe

Projektbeschreibung

Long COVID (LC) ist eine enorme gesellschaftliche Herausforderung und hat massive Folgen für die Erkrankten, das Erwerbs- und Sozialversicherungssystem. Betroffen sind häufig Frauen mittleren Alters, also oft Hauptsorgeleistende. Studien zu den Folgen im Zusammenspiel von chronischer Erkrankung, sozialer Absicherung und Paar/Familie als zentrale „Gesundheitsproduzentin“ fehlen. Das Vorhaben rückt aus anerkennungstheoretischer, paar-, ungleichheits- und geschlechtersozio-logischer Perspektive an LC Erkrankte – v.a. Frauen mit Sorgeverantwortung – im Paarzusammen-hang ins Zentrum. Ausgehend von unserer Heuristik von Prekarität im Lebenszusammenhang fra-gen wir, wie es den Erkrankten angesichts von Erwerbs- und Sorgelücken (nicht) gelingt, ihr Repro-duktionsvermögen – v.a. sozialstaatlich und im Paar –wieder herzustellen:
1) Wie erleben an LC erkrankte Sorgeleistende die sozialrechtliche und intersubjektive, aber auch andere Nicht-/Anerkennung ihrer Erkrankung im Paar und Lebenszusammenhang?
2) Welche Anerkennungsdefizite und Hürden bestehen bei der Wiederherstellung ihres Reproduk-tionsvermögens im Lebenszusammenhang? Welche Ressourcen und Hürden stellen dabei die Part-ner:innen dar?
3) Was bedeutet dies für (ungleiche) Geschlechterverhältnisse?
In Teilprojekt 2 soll, das TP 1 flankierend, anhand von ca. 12 Expert:inneninterviews und Dokumen-tenanalysen die sozialrechtliche Nicht-/Anerkennung von LC in unterschiedlichen Feldern (u.a. EmR, GRV, GUV) analysiert werden: Wie wirken die medizinischen, sozialpolitischen und juristi-schen Konzepte und Akteure zusammen und unterstützen oder erschweren die Wiederherstellung des Reproduktionsvermögens der Erkrankten? In TP 1 soll anhand ausführlicher teilnarrativer Paa-rinterviews mit ca. 10 erkrankten Sorgeleistenden und ihren Partner:innen sowie 10 Folgeinter-views mit den Erkrankten ihre Sicht auf sozialrechtliche und intersubjektive Nicht-/Anerkennung im Paar rekonstruiert werden. Die Befragten sollen meist Kinder haben und unterschiedliche Aner-kennungsverfahren (GRV, GUV) mit und ohne Erfolg durchlaufen (haben). Entlang des Forschungs-stils der Grounded Theory verfolgen wir einen hermeneutisch-wissenssoziologischen Ansatz und verbinden eine subjekt- und gesellschaftstheoretische Perspektive: Auf Subjektebene arbeiten wir mit dem anerkennungstheoretisch erweiterten Konzept der Prekarisierung im vergeschlechtlichten Lebenszusammenhang, gesellschaftstheoretisch mit Kritischer Feministischer Theorie. Ziel ist ein grundlagentheoretischer Beitrag mit Blick auf intersubjektive (insbes. im Paar) und soziale (insbes. sozialrechtliche) Nicht-/Anerkennung bei der Nicht-/Wiederherstellung von Reproduktionsvermö-gen von an LC erkrankten Sorgeleistenden in der vergeschlechtlichten Trias Familie/Paar – Er-werbsarbeit – Sozialstaat. Damit trägt das Projekt bei zu einer anerkennungstheoretischen, ge-schlechter- und paarsoziologischen Weiterentwicklung der kritischen Sorge-/Arbeits- und Repro-duktionsforschung.

Ziele für nachhaltige Entwicklung (Vereinte Nationen)

Geschlechter-Gleichheit