Nationalerziehung und Universalmethode: Globale Diffusionsdynamik und kulturspezifische Aneignungsformen der Bell-Lancaster-Methode im 19. Jahrhundert I

Auf einen Blick

Laufzeit
10/2003  – 12/2007
Förderung durch

DFG Sachbeihilfe DFG Sachbeihilfe

Projektbeschreibung

Die globale Ausbreitung der Bell-Lancaster-Methode im frühen 19. Jahrhundert stellt eines der markantesten Beispiele der Internationalisierung eines (schul-) pädagogischen Programms dar. Die nach den englischen Schulmännern Andrew Bell und Joseph Lancaster benannte Methode empfahl sich als angemessene Lösung des grundlegenden unterrichtsorganisatorischen Technologie -Problems, das sich im Zuge des Aufbaus zunehmend inklusiver Elementarschulsysteme stellte. Sie sah vor, in den damals üblichen großen und altersheterogenen Lerngruppen die leistungsstärkeren Schüler systematisch als durch den Lehrer koordinierte Helfer heranzuziehen. Mit diesem kostengünstigen Modell der Unterrichtsorganisation war die Hoffnung verbunden, den Prozess der Einbeziehung Inklusion breiter Segmente der heranwachsenden Altersjahrgänge in institutionalisierte Schulerziehung entscheidend zu fördern. Gestützt wurde die erstaunlich dynamische Dissemination dieses Modells überdies durch politische Rahmenbedingungen: zum einen war sie eingelagert in Prozesse der Nationenbildung, zum anderen war sie aber auch von den imperialistischen Strömungen der Zeit getragen. Gleichwohl ist dieser Vorgang von der historischen Bildungsforschung bislang noch nicht in seiner weltweiten Vernetzung untersucht worden. Das hier vorgestellte Vorhaben, das sich als Beitrag zu einer historischen Internationalisierungsforschung versteht, sieht deshalb vor, sowohl die weltumspannende Diffusionsdynamik als auch die regionalspezifische Rezeption und Transformation sowie das letztliche Scheitern dieses Unterrichtsmodells zu untersuchen. Es konzentriert sich dabei auf einige zentrale bzw. semi-periphere Länder Westeuropas (Schleswig, Holstein und Preußen einerseits, Spanien anderseits) sowie auf periphere Gesellschaften proto-kolonialen (Britisch-Indien) bzw. post-kolonialen Zuschnitts (Argentinien).

Projektleitung

  • Person

    Prof. i. R. Dr. Jürgen Schriewer

    • Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft