Nationalerziehung und Universalmethode: Globale Diffusionsdynamik und kulturspezifische Aneignungsformen der Bell-Lancaster-Methode im 19. Jahrhundert II
Auf einen Blick
DFG Sachbeihilfe
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Projektbeschreibung
Die globale Ausbreitung der Bell-Lancaster-Methode im 19. Jahrhundert stellt eines der frühesten Beispiele der Internationalisierung eines schulpädagogischen Programms dar. Die nach den englischen Schulmännern Andrew Bell und Joseph Lancaster benannte Methode war eine unterrichtsorganisatorische Alternative sowohl zu älteren Formen der elementaren Unterweisung als auch zu den neuen und ressourcenintensiven Modellen des Gruppenunterrichts. Indem die Bell-Lancaster-Methode die leistungsstärkeren Schüler systematisch als Helfer des Lehrers - als sogenannte Monitore - heranzog und sich die alters- und leistungsheterogenen Schüler wechselseitig selbst unterrichteten, ermöglichte sie die Unterweisung nahezu beliebig großer Schülergruppen in nur einem Raum und durch nur einen einzigen Lehrer. Die Methode empfahl sich daher als angemessene Lösung des grundlegenden unterrichtlichen Technologie -Problems, das sich im Zuge des Aufbaus moderner inklusiver Massenschulsysteme stellte. Ungeachtet seiner dynamischen Ausbreitung wurde dieses Unterrichtsmodell von der historischen Bildungsforschung bislang nicht in seiner weltweiten Vernetzung untersucht. Das seit Dezember 2003 laufende Projekt, das sich als Beitrag zu einer historischen Internationalisierungsforschung versteht, sieht deshalb vor, die historischen Prozesse, die Träger und die variationsreichen Resultate der globalen Dissemination dieses Modells aus zwei unterschiedlichen, aber dennoch komplementären Perspektiven zu untersuchen: Zum einen geht es um die Untersuchung der Dynamik der weltumspannenden Diffusion dieses Modells, zum anderen um die Analyse seiner regionalspezifischen Rezeption und Transformation sowie seines letztendlichen Scheiterns in der zweiten Jahrhunderthälfte. Unter solchen Gesichtspunkten werden einerseits die Akteure (insbesondere global operierende Schul- und Missionsgesellschaften) und die von ihnen eingesetzten Mechanismen der Diffusion (etwa Verfahren der Systematisierung der Bell-Lancaster-Methode von einer lokalen Praxis hin zu einem dem Anspruch nach universalen Modell) untersucht. Zum anderen wird die Interpretation und Umsetzung des Bell-Lancaster-Modells in vier ausgewählten politisch und sozial-kulturell unterschiedlichen Rezeptionskontexten untersucht.
Projektleitung
- Person
Prof. i. R. Dr. Jürgen Schriewer
- Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft