Nitrat-Städte: Filmerfahrung und Anstrengungen der Zuschauenden im urbanen Südasien

Auf einen Blick

Laufzeit
03/2021  – 01/2027
DFG-Fachsystematik

Asienbezogene Wissenschaften

Theater- und Medienwissenschaften

Förderung durch

DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe) DFG Eigene Stelle (Sachbeihilfe)

Projektbeschreibung

Nitrate Cities untersucht am Beispiel der verkörperten Praktiken und Politiken von Kinozuschauer*innen urbane Zukunftsvorstellungen in Südasien. Genauer gesagt werden die filmbezogenen Affekte in den Blick genommen, welche in der Art und Weise zum Ausdruck kommen, wie Zuschauende ihre alltägliche urbane Umgebung durch friedliche oder agitatorische Handlungen verändern. Die Nitratbasis des Zelluloids, welche in früheren Zeiten für die Instabilität und hohe Brennbarkeit von Filmlagern verantwortlich war, dient dabei als Metapher für lokale Sensibilitäten. Diese sind für Verletzungen und Angriffe verantwortlich und sie sind überwiegend mit religiösen Glaubensvorstellungen, Kasten- und Klassenidentitäten sowie historisch begründeten Dynamiken zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen verknüpft. Indem Nitrate Cities das Kino als herausgehobenen repräsentativen Raum identifiziert, in welchem soziale Mobilitäten und zukunftsorientierte Identitäten verhandelt werden, knüpft das Vorhaben an bestehende Forschungen zu Film und Stadt (Mazumdar 2007, Bruno 2001), zur Filmkonservierung (Hediger 2011, Cherchi Usai 2009) sowie zu verkörperter Zuschauerschaft (Sobchak 1991, Marks 1999) an. Zentrales Ziel des Vorhabens ist es, Zuschauerschaft anhand von Bindungen zu beleuchten, welche das Kino aufrechterhält, attackiert oder neu hervorbringt. Im Rahmen des Projekts werden die Handlungen der Zuschauenden als ‚Anstrengungen‘ definiert, und nicht als Engagement oder Arbeit, um das kreative Schaffen, die affektive Energie und die körperliche Kraft (randalieren, besetzen, anzünden, demonstrieren) zu unterstreichen, welche mit dem Phänomen der Zuschauer-Bindungen einhergehen. Es zielt darauf ab, die konzeptionelle Unbestimmtheit der Zuschauenden zu verringern, indem sie verschiedene Rollen identifiziert, die sie als Konservator*innen, Sammelnde, Angehörige von Kult-Bewegungen oder politischen Interessengruppen annehmen. Das Projekt verfolgt einen transregional vergleichenden Ansatz und betrachtet den konstanten Austausch zwischen den beiden Enden des Zuschauenden-Spektrums - Ultra-Zuschauende (Fans, Kinoman*innen) und Anti-Zuschauende (Cinephobe) - als konstitutiv für entstehende Filmöffentlichkeiten. Wie die gewählten Fallbeispiele zeigen, spielen emergente Maskulinitäten in den hervorbrechenden Zuschauenden-Handlungen eine bedeutende Rolle, obwohl diese Netzwerke sich auf traditionelle Vorstellungen von Verwandtschaft und kollektiver Ehre beziehen. Durch genau diese komplexe Matrix aus Klasse, Gemeinschaft und Gender machen die jeweiligen Interessengruppen ihre urbane Präsenz und politischen Forderungen sichtbar, in erster Linie als Filmzuschauende.

Projektleitung

  • Person

    Dr. Salma Siddique

    • Institut für Asien- und Afrikawissenschaften
    • Gesellschaften und Kulturen Südasiens