Provenienzrecherche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern in den Beständen der Universitätsbibliothek (vormalige Zentrale Universitätsbibliothek)
Auf einen Blick
Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Andere inländische Stiftungen
Projektbeschreibung
Die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität (UB der HU) fühlt sich den „Washingtoner Prinzipien“ von 1998 sowie der „Gemeinsamen Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände“ von 1999 verpflichtet und will ihrem Auftrag zur Provenienzermittlung von evtl. unrechtmäßig erworbenen Kulturgut nachkommen.
Das beantragte Projekt soll erstmals eine systematische Provenienzforschung an der UB einleiten, nachdem selektive Recherchen in früheren Jahren erste NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter identifiziert haben, wie die 2007 restituierten Bände aus der Privatbibliothek der Germanistik-Professorin Agathe Lasch.
Der Größe der UB geschuldet, soll der Fokus zunächst auf der ehemaligen Zentralen Universitätsbibliothek (ZUB) liegen, deren Bestand sich heute überwiegend im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum befindet. Für diesen Standort liegen die Zugangsbücher nahezu vollständig vor, und es handelt sich um den größten Bestandsumfang in der UB. Eine erste kritische Sichtung der „Akzessionsjournale“ belegt, dass verdächtige Einlieferungen erfolgten, unter anderem durch die Reichstauschstelle. Auch an den weiteren 12 Standorten der UB könnten sich entzogene Kulturgüter befinden, welche aber aufgrund der eigenständigen Archivquellen und einer anderen Bestandsgeschichte nicht in diesem Vorhaben bearbeitet werden können.
Für den Zeitraum 1933–1945 fanden ca. 37.000 Objekte durch Kauf, Dona oder Tausch Eingang in die ZUB. Erhöhte Akzessionszahlen in den Bereichen Dona und Tausch, insbesondere in den Jahren 1934, 1940 und 1942, legen nahe, dass sich entzogene Kulturgüter darunter befinden könnten.
Es ist eine systematische Überprüfung vorgesehen, inwieweit Erwerbungen in Zusammenhang stehen mit Personen, Behörden oder Institutionen, die in den Handel von NS-Raubgut involviert waren (sog. „Red Flag“-Names), oder mit Personen und Körperschaften, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Verdachtsmomente im Bestand des Grimm-Zentrums sollen identifiziert und dokumentiert werden und gegebenenfalls eine Restitution der Bücher an die rechtmäßigen Eigentümer_innen oder ihre Erben eingeleitet werden.
Diese erste systematische Provenienzrecherche zu den Beständen der ehemaligen ZUB bildet den Anfang für eine umfassende Forschung zu NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern in allen Beständen und an allen Standorten der UB.
Beteiligte Einrichtungen
Vizepräsident(in) für Forschung
Anschrift
Universitäts-Hauptgebäude, Unter den Linden 6, 10099 BerlinZentraleinrichtung Universitätsbibliothek
Anschrift
Jacob und Wilhelm Grimm-Zentrum, Geschwister-Scholl-Straße 1, 10117 Berlin