Serielle Sozialität und die Formen der fiktionalen Liebe. Korpusbasierte Mixed Methods-Analysen zum Liebesheftroman

Auf einen Blick

Laufzeit
10/2026  – 09/2030
DFG-Fachsystematik

Literaturwissenschaft

Förderung durch

DFG Kolleg-Forschungsgruppe DFG Kolleg-Forschungsgruppe

Projektbeschreibung

Der Liebesheftroman zählt trotz seiner unbestrittenen Dominanz auf dem Heftsektor „noch heute zur Terra incognita“ (Heinz J. Galle) der Literatur- und Kulturgeschichte. Das ist umso bedauerlicher, als gerade ihm schon wegen seiner Millionenauflagen eine kulturelle Prägekraft innewohnt, deren historischer Einfluss auf populäre Erzählpraktiken und soziale Imaginationen kaum zu unterschätzen ist. Die Frage danach, ob und wie der Heftroman die Diversifizierung sozialer Semantiken, Rollen und Beziehungen vermittelt und reflektiert, lässt sich deshalb bevorzugt am Liebesgenre beobachten. Vor diesem Hintergrund möchte das TP zum einen die sich im zeitlich Verlauf narrativ entfalteten Formen der fiktionalen Liebe erstmals systematisch einer historisch wie generisch differenzierten Analyse unterziehen, u.a. mit Blick auf die darin verhandelten Liebes- und Familien-, Gemeinschafts- und Gesellschaftskonzepte, die sich verändernden Gender-Normen, die Fragen der Geschlechtsidentität, der sexuellen Orientierung, die Problematik von Race und Racialization. Dafür nimmt das TP – in engem Austausch mit TP 4 (u.a. zu Plotmustern in erotischen Liebesromanen) und TP 6 (u.a. zur Liebesspannung) sowie mit Blick u.a. auf die Entwicklung der Covergestaltungen (TP 3) – eine sowohl computerbasiert-quantitative als auch qualitative Untersuchung der Formen und Semantiken narrativ entfalteter Sozialstrukturen in Liebesheftromanen vor. Zum anderen soll es – auch unter Berücksichtigung buchhändlerischer Erfordernisse und verlegerischer Praktiken (TP 2) – um deren Einbettung in die je besonderen sozialen Konstellationen gehen, wie sich diese sowohl im generisch unspezifischen Liebesheftroman als auch in dessen unterschiedlichen Subgenres – Adels-, Heimat- und Arztheftroman – in je eigener Weise abbilden. Weil sich ‚Liebe‘ im Heftroman in der seriellen Abfolge von Wiederholung und Variation modelliert (‚serielle Sozialität‘), trägt das TP zur genaueren Profilierung der spezifischen Medienlogiken des Heftromans, mithin zur allgemeinen Forschungsfrage der FOR insgesamt, entscheidend bei.