SFB 1750/1: Arbeiten am (un)gerechten Lehrplan. Eine historisch-vergleichende Lehrplananalyse für die Deutsche Demokratische Republik (DDR) und die Bundesrepublik Deutschland (BRD) (1945–1990) (TP A01)
Auf einen Blick
Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft
DFG Sonderforschungsbereich
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Projektbeschreibung
Die Beteiligungsmöglichkeiten an Bildung nehmen seit 50 Jahren zu. Einerseits. Andererseits bestehen nach wie vor große Ungleichheiten, wer davon auf welche Weise profitiert. Insbesondere Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern, aus migrantischen Familien und solche mit Behinderungen und/oder sonderpädagogischen Förderbedarfen werden oft nicht ausreichend beteiligt. Diese Widersprüchlichkeit im demokratischen Gerechtigkeitsversprechen schwächt das Vertrauen in Bildungseinrichtungen.
Der neue Sonderforschungsbereichs [in:just] 1750 an der Goethe-Universität wird die Ursachen und Hintergründe dieser nach wie vor bestehenden Ungleichheit untersuchen. Dafür erhält der Verbund für die nächsten drei Jahre und neun Monate insgesamt 14 Millionen Euro. 31 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus so unterschiedlichen Disziplinen wie Erziehungswissenschaften, Soziologie, Philosophie, Politik- und Rechtswissenschaft, Humangeographie und Informatik bilden einen interdisziplinären Verbund unter Federführung der Erziehungswissenschaften. Als Sprecherinnen fungieren Prof. Merle Hummrich und Prof. Vera Moser, beide sind am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität tätig. Merle Hummrich hat den Schwerpunkt Jugend und Schule, Vera Moser widmet sich auf der Kathrin- und Stefan-Quandt-Stiftungsprofessur vor allem der Inklusionsforschung.
Aus unterschiedlichen Perspektiven sollen institutionalisierte Teilhabe- und Teilnahmeprozesse von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Erziehungs- und Bildungssystem unter die wissenschaftliche Lupe genommen werden. Dabei geht es etwa um Unterricht vor dem Hintergrund von Mehrsprachigkeit oder angenommener schülerseitiger ‚Verhaltensstörungen‘, aber auch um das Prozedere von Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen sowie unbegleiteten Minderjährigen Geflüchteten, um die Auswirkungen von Gentrifizierungen auf die Qualität regionaler Bildungsangebote, um die Einspruchsmacht von Sorgeberechtigten und auch um computergestützte Entscheidungsprozesse, die vergleichend im Erziehungs- und Rechtssystem untersucht werden sollen. Auch international vergleichende Forschungen in Bezug auf die Implementation der UN-Behindertenrechtskonvention, Kinderrechte und intersektionale Differenzierungsprozesse gehören zum Forschungsprogramm.
Der SFB 1750 [in:just] ist der erste im Kern erziehungswissenschaftliche Sonderforschungsbereich, den die DFG fördert. „Angesichts der erheblichen gesellschaftlichen Krisen und Herausforderungen sind wir sehr dankbar für diese große Chance, das Aufwachsen von Kindern und jungen Menschen interdisziplinär und kooperativ beforschen zu können“, sagt Prof. Merle Hummrich. „Mir ist besonders wichtig zu untersuchen, wie menschenrechtliche Normen sich auf den Alltag junger Menschen auswirken“, betont Inklusionsexpertin Prof. Vera Moser.
Beteiligte Einrichtungen
Institut für Erziehungswissenschaften
Anschrift
Institutsgebäude, Geschwister-Scholl-Straße 7, 10117 Berlin