SPP 1173/3: Integration und Desintegration im europäischen Mittelalter
Auf einen Blick
Geistes- und Sozialwissenschaften
DFG Sachbeihilfe
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Projektbeschreibung
Von 2005 bis 2011 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Schwerpunktprogramm 1173: Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter. Dieser Forschungsverbund wurde durch die Einsicht angeregt, dass Europa zu keinem Zeitpunkt seiner Geschichte eine Einheitskultur gewesen ist. Auch das Mittelalter wird keineswegs als eine rein christliche Epoche begriffen, sondern vielmehr als eine Zeit intensiver Kontakte zwischen religiös geprägten Zivilisationen, die ihre Identität in unaufhörlichen Prozessen der Integration und Desintegration modifizierten, schärften und überhaupt erst hervorbrachten.
Diese vielfältigen Interaktionen lassen sich innerhalb der Grenzen einzelner historischer Disziplinen nicht erforschen, sondern erfordern vielmehr eine transdisziplinäre Zusammenarbeit. Deshalb vereinigt das Schwerpunktprogramm 24 Einzelprojekte von 16 deutschen Universitäten aus 14 verschiedenen Disziplinen, unter anderem Kunstgeschichte und Mittelalterliche Geschichte, Germanistik, Mittellateinische Philologie, Arabistik, Philosophie, Theologie, Byzantinistik und Judaistik. Die an zahlreichen deutschen Universitäten ansässigen Einzelprojekte werden durch die beiden Sprecher des Schwerpunktprogramms, Prof. Dr. Michael Borgolte (Humboldt-Universität zu Berlin) und Prof. Dr. Bernd Schneidmüller (Universität Heidelberg), koordiniert. An beiden Universitäten sind eine junge Forscherin und ein junger Forscher Koordination tätig und nehmen mit eigenen Projekten am Schwerpunktprogramm teil.
Die 24 Einzelprojekte des Schwerpunktprogramms sind in sieben Arbeitsgruppen von maximal vier Personen und mindestens zwei Disziplinen organisiert, die jeweils einen selbstgewählten Aspekt transkultureller Integrations- und Desintegrationsprozesse untersuchen und dabei die Fächergrenzen konventioneller wissenschaftlicher Praxis überschreiten. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden die Mitglieder des Schwerpunktprogramms im Jahr 2011 in einer gemeinsamen Publikation vorlegen. Bereits im Jahr 2008 ist unter dem Titel „Mittelalter im Labor. Die Mediävistik testet Wege zu einer transkulturellen Europawissenschaft“ ein erster Ergebnisband erschienen, in dem neben den Forschungserträgen auch die praktischen Erfahrungen mit der transdisziplinären Kooperation dargelegt wurden. Das Buch ist auch als Online-Publikation frei zugänglich (https://www2.hu-berlin.de/sppedia). Es wurde im Frühjahr 2008 auf einer International Spring School präsentiert, deren Vorträge und Workshops in dem Band Hybride Kulturen im mittelalterlichen Europa (Akademie Verlag Berlin 2010) vorgestellt werden.
Projektleitung
- Person
Prof. Dr. phil. Michael Borgolte
- Institut für Geschichtswissenschaften