Staatssozialismus als Kulturvermittler? Bulgarische Literatur in deutscher Übersetzung (1944-1989)

Auf einen Blick

Laufzeit
01/2009  – 12/2009

Projektbeschreibung

Ziel des Projekts ist es, die Übersetzung, Vermittlung und Rezeption der bulgarischen Literatur im Kontext der DDR als eine interkulturelle Betätigung zu interpretieren. An einer über Jahrzehnte geübten Übersetzungspraktik lassen sich kulturelle Kommunikationsmuster manifestieren, die eine Interpretation der darin formulierten Erwartungen und ideologischen Positionen ermöglichen. Das Projekt geht von der Annahme aus, dass der erreichte Höhepunkt der literarischen Übersetzungen nicht der anvisierten Präsenz bulgarischer Literatur entspricht.
Das Erkenntnisinteresse des Projekts fokussiert zwei Zeitebenen um die beiden Kernfragen:
- Zeugen die Übersetzungen im Kontext der DDR von einer effizienten Überwindung der historisch ererbten Asymmetrie des literarischen Dialogs?
- Können die vorhandenen Übersetzungen dem gegenwärtigen Kulturmanagement von Nutzen sein, nachdem sie ideologisch rekonfiguiriert worden sind?

Die Erarbeitung einer aktuellen Gesamtbibliographie, die nicht nur Buchpublikationen, sondern auch Veröffentlichungen von Übersetzungen in deutschsprachigen Zeitschriften systematisch erfasst, ergibt den ersten wichtigen Arbeitsbereich. Der Ablauf der literarischen Vermittlungsprozesse muss dann zur Präsentation gebracht werden, wobei insbesondere die ambivalente Rolle der ideologischen Institutionen der beiden „Bruderländer“ (v.a. Zensur) erörtert werden muss. Die Figur des Übersetzers – sein Habitus und sein soziales Feld, seine persönlichen Initiativen und Entscheidungen, seine selbst entwickelten Methoden, die Zensur zu umgehen – muss im Vordergrund der Analyse stehen.