Stiftungstod. Säkularisation von Kirchengut und andere Gefährdungen für die Stiftungszwecke durch staatliche Gewalt in der lateinischen und griechisch-orthodoxen Christenheit des Mittelalters - Ein transkulturelles und internationales Forschungsprojekt
Auf einen Blick
Fritz Thyssen Stiftung
Projektbeschreibung
In dem Forschungsprojekt sollen die Säkularisation von Kirchengut beziehungsweise andere Gefahren für den Bestand von Stiftungen von seiten staatlicher Gewalt in den Bereichen der orthodoxen und der westlichen Christenheit vergleichend untersucht werden. Der Reiz der Aufgabe liegt darin, dass der Forschungsstand verschieden ist und beide Seiten durch den Vergleich bessere Einsichten über das jeweilige Verhältnis von Staat und Kirche erwarten dürfen. Für Lateineuropa sollen möglichst alle bekannten Vorgänge von Säkularisation darauf hin untersucht werden, welche Rückwirkungen sich auf die Funktionsfähigkeit von Stiftungen an die Kirche und auf die Neuerrichtung von Stiftungen feststellen lassen. Anzusetzen ist dabei bei einer systematischen Untersuchung herrscherlichen Handelns, insbesondere im Kontext von Kriegen oder anderen außerordentlichen Belastungen der Staaten. Die westeuropäischen Länder und Reiche mit ihren langdauernden Konflikten (England/Frankreich; Expansion des angevinischen Reiches nach Wales und Irland; Reconquista der christlichen Reiche Spaniens nach al-Andalus) dürften sich hier noch eher als Untersuchungsobjekte anbieten als das vergleichsweise friedliche römisch-deutsche Reich. Für Byzanz ist mit John Thomas (San Francisco, USA) der beste Kenner des Stiftungswesens im griechischen Mittelalter gewonnen worden. Thomas soll die These von Peter Charanis (1948) überprüfen, nach der die übermäßige Förderung klösterlicher Stiftungen und die mangelnde Bereitschaft der Äbte, den Reichtum ihrer Häuser dem Staat zur Verfügung zu stellen, zum Fall und Untergang des Reiches geführt hat. In diesem Zusammenhang sind alle Versuche der Kaiser zu studieren, das Steueraufkommen zu erhöhen, neue staatliche Einkunftsmöglichkeiten zu erschließen und den Besitz religiöser Stiftungen zu konfiszieren. Thomas bringt für die geplante Untersuchung durch seine grundlegenden Studien zum byzantinischen Stiftungswesen beste Voraussetzungen mit; er kann auch darauf verweisen, dass seit Charanis neue Quellen zugänglich geworden seien (zum Beispiel vom Mönchsberg Athos).
Projektleitung
- Person
Prof. Dr. phil. Michael Borgolte
- Institut für Geschichtswissenschaften