Symbolische Reproduktion sozialer Exklusion in Brasilien und Deutschland
Auf einen Blick
DAAD
Projektbeschreibung
Das Projekt untersucht Prozesse der sozialen Klassifikation, insbesondere der Deklassierung, die Exklusion und Marginalisierung in modernen Gesellschaften ermöglichen und legitimieren. Ziel des Projekts ist es, die opaken und unsichtbaren Mechanismen zu verstehen, die bei der Realisierung und Legitimierung von Fällen sozialer Exklusion in Brasilien und Deutschland wirksam sind. Die Hypothese lautet: Wenngleich die Fälle sozialer Exklusion in einer Wohlstandsgesellschaft wie Deutschland verglichen mit Brasilien quantitativ sehr viel geringer sind, so funktionieren Exklusion und ihre Reproduktion auf ähnliche Weise. Um die Hypothese zu überprüfen, soll die Funktionsweise der sozialen Exklusion bei Hartz-IV-Empfängern in Deutschland und bei Bolsa-Família-Empfängern in Brasilien verglichen werden. Beides sind soziale Programme für hoch stigmatisierte soziale Gruppen sowohl in Brasilien als auch in Deutschland. In welcher Weise werden die Opfer sozialer Vernachlässigung im einen und im anderen Fall als „schuld“ am eigenen Schicksal angesehen? Wie geschieht die politische Manipulation dieser Vorurteile im deutschen und im brasilianischen Fall? Die Untersuchung dieser Fragen soll zur Erkenntnis der opaken und unsichtbaren Ursachen beitragen, die soziale Stigmata erzeugen und permanente Ungleichheiten sowie ungerechte Privilegien legitimieren. Das Projekt stützt sich dabei auf den Begriffsapparat Pierre Bourdieus, den die Projektpartner auf unterschiedliche kulturelle Zusammenhänge übertragen und dabei modifiziert haben. Der direkte Vergleich zwischen den kulturell, politisch und soziologisch sehr unterschiedlichen Gesellschaften Brasilien und Deutschland soll die Tragfähigkeit des Ansatzes erweisen sowie neue empirische Erkenntnisse über die Wirkungsweisen sozialer Klassifikation in diesen Gesellschaften erbringen. Das Projekt will die leitende Hypothese empirisch überprüfen, indem binationale Tandems in beiden Ländern leitfadengestützte Interviews durchführen.
Projektleitung
- Person
Prof. Dr. Boike Rehbein
- Transformationsgesellschaften in Asien/Afrika