Tagung: Der politische Warburg. Zur Ideengeschichte der Bildwissenschaft (Veranstaltung: 12.10.-13.10.06, Hamburg)

Auf einen Blick

Laufzeit
10/2006  – 11/2006
Förderung durch

Fritz Thyssen Stiftung

Projektbeschreibung

<p>Sowohl der Anspruch einer kritischen Bildwissenschaft als auch deren Perspektiven interdisziplinärer Erforschung des Bildes verbinden sich in der Geschichte der Kunstgeschichte mit dem Namen Aby Warburgs. Sich selbst bereits 1917 als Bildhistoriker bezeichnend, hat Warburg die Bildwissenschaft nicht als Theorie, sondern als Methode verstanden und praktiziert. Von einem berühmt gewordenen Aphorismus Warburgs ausgehend, das der liebe Gott im Detail stecke und das Ganze sich nicht durch theoretische Distanz, sondern durch empirische Nähe erschließt, leitet sich nach wie vor jene Erforschung des Bildes ab, wie sie von der Kunstgeschichte betrieben wird.</p>

<p>Warburgs Bilderforschung hatte mittelbar oder unmittelbar eine Nachwirkung im 20. Jahrhundert erlebt, die von heute aus als Vorgeschichte oder Ideengeschichte der Bildwissenschaft zu beschreiben ist. Obwohl sich Denker wie Hans Blumenberg, Michel Foucault oder Paul Feyerabend niemals explizit als Bildwissenschaftler oder Bildhistoriker bezeichnet haben, ist ihre Arbeit doch eng mit der Methode einer Wissenschaft vom Bild verbunden: ausgehend vom Objekt nach theoretischen Alternativen zu suchen und zu anderen Ergebnissen zu kommen, weil man bei den Sachen selbst beginnt. Bildobjekte werden im 20. Jahrhundert nicht immer schon unter bestehende Theoriegebäude domestiziert, sondern als Perspektiven neuer Denkwege oder Denkräume selbst aufgewertet. Ideologiekritik gehört immer schon zu einer Wissenschaft vom Bild. Mit dieser Tradition handelt es sich auch um den wohl schlagendsten Beweis dafür, dass sich die Erforschung des Bildes durch begriffliche Vorentscheidungen nicht legitimiert und entgegen der Versuche zu einer Allgemeinen Bildwissenschaft eine Pluralität der Theorien bei einer Einigkeit in der Methode möglich und wünschenswert ist.</p>

<p>Obwohl es bislang immer wieder Artikel und Aufsätze zum Verhältnis von Kunstgeschichte und Bildwissenschaft gab, steht eine Tagung zu diesem Thema nach wie vor aus. Die Tagung Der Politische Warburg. Zur Ideengeschichte der Bildwissenschaft schließt diese Lücke. Die interdisziplinären Vorträge der Tagung sammeln signifikante Einzelfall-Analysen zum methodischen und analytischen Umgang mit Bildern und stellen ebenso einen Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts wie der notwendigen Standortbestimmung der historischen Bildwissenschaft dar. In diesen Fallbeispielen zur Bildpraxis skizziert die Tagung jenen Spielraum, den ein Denken, das vom Bild ausgeht hatte und haben kann.</p>

Projektwebsite öffnen

Projektleitung

  • Person

    Prof. Dr. phil. Wolfgang Hardtwig

    • Institut für Geschichtswissenschaften