Transnationale historische Romane in Zeiten des Totalitarismus: Natanela Koroleva, Zynaida Tulub und die Erfindung der ukrainischen historischen Frauenprosa
Auf einen Blick
Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Einstein Guest Researcher (Wissenschaftsfreiheit)

Projektbeschreibung
Ziel des Projekts ist es, den übersehenen Trend in der Entwicklung der osteuropäischen historischen Belletristik – Versuche, über eine enge nationale Perspektive hinauszugehen – anhand von Materialien aus der ukrainischen Literatur und durch die Linse der Werke zweier Schriftstellerinnen zu untersuchen: Natanela Koroleva (1888–1966) und Zynaida Tulub (1890–1964). Koroleva nimmt in der ukrainischen Literatur eine einzigartige Stellung ein, da sie in ihren historischen Romanen ukrainische Themen mied und sich stattdessen mit der antiken und mittelalterlichen Weltgeschichte befasste und den einzigen ukrainischen historischen Roman über das westeuropäische Mittelalter schrieb. Zynaida Tulub wurde durch den Roman „Manhunters“ berühmt, der sich mit dem Phänomen des Menschenhandels im 17. Jahrhundert befasst. Das Projekt zielt darauf ab, eingehende Primärforschung zu den Biografien wenig untersuchter osteuropäischer Schriftstellerinnen mit einer Analyse ihrer Werke im breiteren Kontext sowohl des historischen Wissens als auch der Entwicklung des historischen Romans zu verbinden. Das Projekt untersucht das Phänomen der „Feminisierung des historischen Romans” anhand osteuropäischer Materialien und befasst sich mit folgenden Forschungsfragen: Besonderheiten der weiblichen Perspektive in osteuropäischen historischen Romanen der 1920er bis 1960er Jahre; das Bild der historischen Romanautorin in den Augen von Kritikern und Lesern; der Einfluss der historischen Bildung auf die Schriftstellerinnen und ihre Polemik mit der akademischen Geschichtsschreibung. Die Hauptquellen für die Realisierung des Projekts sind die literarischen Texte von Tulub und Koroleva, ihre Memoiren und Archivmaterialien.
Themen
Beteiligte Einrichtungen
Institut für Slawistik und Hungarologie
Anschrift
Boeckh-Haus, Dorotheenstraße 65, 10117 Berlin