Urbanes Vertrauen. Die Metropole und unser öffentliches Leben

Auf einen Blick

Laufzeit
12/2024  – 12/2025
DFG-Fachsystematik

Empirische Sozialforschung

Förderung durch

Volkswagen Stiftung Volkswagen Stiftung

Projektbeschreibung

Warum ist es wichtig, mit Menschen zusammenzukommen, die wir vielleicht nie kennenlernen werden? Warum ist es gut, Zeit in der Gegenwart von Fremden in der Stadt zu verbringen? Welchen Wert haben Orte, an denen wir von Angesicht zu Angesicht mit anderen Bürger:innen und mit staatlichen Akteuren auf der Street-Level-Ebene interagieren? Urban Trust ist ein Buch für alle, die sich für die soziale Bedeutung des Zusammenseins mit anderen Menschen, die wir nicht kennen, an städtischen Orten und Institutionen interessieren. Es argumentiert, dass kohäsive, gerechte und demokratische Städte ein zusammengeworfenes Miteinander erfordern: Schauplätze für ungeplante, zufällige und oft scheinbar oberflächliche, fluide Begegnungen zwischen Bürger:innen untereinander und zwischen Bürger:innen und staatlichen Akteuren auf der Street-Level-Ebene. Solche Städte erfordern Institutionen, die wir auch mit anderen außerhalb unseres inneren Kreises teilen. Sicherlich finden Menschen Gemütsruhe in der effizienten Organisation ihrer täglichen Routine, indem sie Lebensmittel online bestellen oder in die Elternversammlung der Schule hineinzoomen. Aber isolierende Praktiken schirmen etablierte, ressourcenreiche Stadtbewohner:innen in nach innen gerichtete Kreise ab. Eine solche Abschirmung reduziert die alltägliche Relevanz "der Anderen" auf die Frage, ob das gemietete Auto, das bestellte Abendessen so schnell ankommt, wie es die App versprochen hat. In diesem Buch werden drei Konsequenzen diskutiert: Erstens gelingt es uns nicht, uns gegenseitig in Praktiken der Zuwendung (Care) und des Vertrauens mit Menschen zu engagieren, die uns räumlich nahe, aber sozial fern sind. Zweitens beeinträchtigt dies die Qualität der Beziehungen im Rahmen der Street-Level-Begegnungen zwischen Bürgern:innen und Staat. Dort hören wir Geschichten über einen "nicht zugewandten" (uncaring) Staat. Die Erfahrungen, die die Menschen in ihren Städten machen, tragen, wie dieses Buch zeigt, zu einem Rückzug in nach innen gerichtete Kreise bei, während andere Teile der Stadt als unsicher definiert werden. Drittens eröffnet der Rückzug aus dem öffentlichen Raum der Beziehung zwischen Bürger:innen untereinander (citizen-citizen relations) über die Kategorien Ethnizität, Klasse, Geschlecht und Sexualität hinweg in einer zunehmend ungleichen sozioökonomischen Struktur Raum für Verrohung, die diesen Rückzug noch verstärken kann. Indem es Geschichten aus über 20 Jahren empirischer Studien in Europa und den USA mit allgemeineren Ideen oder "Theorien" kombiniert, zeigt das Buch, dass wir das zusammengeworfene Miteinander an städtischen Orten und Institutionen brauchen, um durch Erfahrungen zu einer bürgerlichen Moral zu sozialisieren. Das Buch lädt uns ein, einen zweiten Blick darauf zu werfen, was wir in Zeiten der Digitalisierung unserer Kommunikation, Gemeinschaft und sozialen Kontrolle mit unserem großstädtischen öffentlichen Leben machen.