Weltfußball: kultureller Austausch und politisches Projekt
Auf einen Blick
Projektbeschreibung
In jedem Land der Erde gibt es heute einen der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) angeschlossenen Fußballverband, und überall spielt man Fußball nach denselben, von der FIFA verwalteten Regeln. Das gilt für alle Hierarchieebenen des Spielverkehrs, von der alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaft bis zur letzten lokalen Liga. Nach dem "Big Count", einer statistischen Erhebung der FIFA aus dem Jahr 2000, gibt es derzeit rd. 13 Mio. offiziell registrierte Fußballspieler und -spielerinnen auf der Welt. Die Gesamtzahl aller Spieler und Spielerinnen wird auf 242 Mio. geschätzt; das entspräche 4,1 % der Weltbevölkerung.
Dieser weltweite Verbreitungserfolg eines ursprünglich in England 'erfundenen' Spiels ist zum Teil eine Begleiterscheinung allgemeiner Internationalisierungsprozesse: von Handelsbeziehungen und der damit einhergehenden Elitenmobilität seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert, von Auswanderungswellen und der Entstehung von Immigrantenvierteln in den Metropolen Europas und Übersees, schließlich seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts auch der gewachsenen Sendekapazitäten des Fernsehens. Auf der anderen Seite erfolgte der Siegeszug des Fußballs nach dem Zweiten Weltkrieg vor dem Hintergrund nachhaltiger politischer Veränderungen auf globaler Ebene, insbesondere der Verallgemeinerung des Nationalstaatsprinzips und der Dekolonisierung. Daher lassen sich auch politische Interessenten identifizieren, die zum Teil eine dezidierte Fußball-Entwicklungspolitik betrieben haben. Zu ihnen gehören einzelne Politiker und die Fußballfunktionäre der sog. Dritten Welt, vor allem aber der FIFA, die sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts zu einer NGO in Sachen Fußball entwickelt hat.
Die Sektion "Weltfußball" verfolgt das Ziel, dieses Spannungsfeld zwischen allgemeinen Internationalisierungsprozessen und speziellen politischen Interventionen zu entfalten und so verständlich zu machen, warum Fußball Teil der globalen Kultur werden konnte. Die Referenten sind allesamt ausgewiesene Sport- und Fußballhistoriker. Einige der vorgeschlagenen Beiträge sind aus einem Projekt zur Geschichte der FIFA und des Weltfußballs hervorgewachsen, dessen Ergebnisse im Jahr 2004 publiziert wurden (Christiane Eisenberg u.a., FIFA 1904-2004. 100 Jahre Weltfußball, Göttingen 2004; engl., frz., span., ital. Übersetzungen).
Projektleitung
- Person
Prof. Dr. Prof. Dr. Christiane Eisenberg Christiane Eisenberg-Ditt
- Humboldt-Universität
- Zentralinstitut Großbritannien-Zentrum