Wissenschaftliche Charakterologie in Deutschland 1890 - 1933

Auf einen Blick

Laufzeit
06/2003  – 05/2005
Förderung durch

DFG Sachbeihilfe DFG Sachbeihilfe

Projektbeschreibung

Das Promotionsvorhaben beschäftigt sich mit der Verwissenschaftlichung der Charakterse-mantik zwischen 1890 und 1933. Die Leithypothese besteht in der Annahme, daß sich im ers-ten Drittel des 20. Jahrhunderts der einzelmenschliche Charakter als eine fundamentalen Ka-tegorie der Gesellschaft etablierte. Anders als die bürgerliche Kategorie der Subjektivität, über die Individuen Rechte, Handlungs- und Erkenntnisvermögen zugeschrieben wurde, fun-gierte Charakter als Zuschreibungskategorie individueller Eigenschaften. Die wissenschaftli-chen Charakterologien, mit deren Hilfe Menschen als Gesamtpersönlichkeit bewertet wurden, stellten also den erkenntnistheoretischen Grenzfall einer Wissenschaft des Individuellen dar. Zum einen soll gezeigt werden, wie sich die Wissenschaftsförmigkeit der Charakterologien durch einen allgemeinen Trend zur Ästhetisierung und Verlebensweltlichung der Humanwis-senschaften einstellte. Zum anderen wird untersucht, inwiefern es vor allem bildungsbürgerli-che Lebenswelten und Wahrnehmungsweisen waren, die in den Charakterologien objektiviert wurden, und so tradierte Muster sozialer Ungleichheit durch wissenschaftliche Legitimation fortgeschrieben wurden.

Projektleitung

  • Person

    Prof. Dr. phil. Wolfgang Hardtwig

    • Institut für Geschichtswissenschaften