Zur Genese des Interaktionssystems Unterricht. Eine vergleichende Rezeptionsgeschichte der Bell-Lancaster-Methode in Spanien und Deutschland (1808-1868)

Auf einen Blick

Laufzeit
01/2002  – 06/2006

Projektbeschreibung

Das Vorhaben hat die vergleichende Rezeptionsgeschichte eines im 19. Jahrhunderts weltweit äußerst erfolgreichen Unterrichtsmodells in ausgewählten deutschen Staaten und in Spanien zum Gegenstand. Dieser schulorganisatorische Vorschlag hier zusammenfassend Bell-Lancaster-Methode genannt versprach, große und heterogene Schülermassen zu unterrichten, indem man einerseits alle Schüler in kleineren Gruppen klassifizierte, eine detaillierte Zeit- und Raumplanung streng beachtete und andererseits die besten Schüler als Hilfslehrer, auch Monitore genannt, in den kleineren Schülergruppen systematisch und abwechselnd einsetzte. Das System erfuhr zwischen 1800 und 1850 eine bis dahin unbekannte Popularität und verbreitete sich von England aus auf den fünf Kontinenten. Dies geschah zeitgleich mit der Herausbildung eines Erziehungssystems als gesellschaftlichen Teilsystems in einigen europäischen und nordamerikanischen Ländern, wobei dieser Prozess in Deutschland recht früh einsetzte, während in der europäischen Peripherie, hier durch Spanien vertreten, die Ausdifferenzierung einer Systembildung des Pädagogischen verspätet erfolgte. Die vergleichende Rezeptionsanalyse zielt darauf ab, Verlauf, Deutungen und Umformungskraft der jeweils spezifischen Traditionen und Konfigurationen der Elementarbildung in ihrer Auseinandersetzung mit dem importierten Modell so zu analysieren, dass unterschiedliche Entwicklungspfade nationaler bzw. regionaler Erziehungssysteme auf der basalen Ebene der Unterrichtstechnologien dabei sichtbar werden. In dieser Hinsicht stellt die Untersuchung einen Beitrag sowohl zur Semantik sozialer Technologien als auch zu schulorganisatorischer und unterrichtstechnologischer Reform dar.

Projektleitung

  • Person

    Prof. i. R. Dr. Jürgen Schriewer

    • Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft