Ein vollständiger Verzicht auf Tiere in der Lehre ist jedoch nicht in allen Bereichen umsetzbar. Insbesondere in Studiengängen, die auf Tätigkeiten mit Tieren vorbereiten, werden praktische Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit Tieren vermittelt. Daher kommen Tiere in bestimmten Ausbildungsabschnitten bzw. Studium weiterhin zum Einsatz.
Die Durchführung von Lehrveranstaltungen an der HU unter Verwendung von Tieren erfolgt mit hoher Sensibilität gegenüber den Studierenden sowie mit großem Respekt vor dem Leben.
Verwendung von Tieren in den Fachgebieten Biologie und angewandte Ethologie in der Nutztierwissenschaft
Im Fachgebiet Biologie und angewandte Ethologie werden tierersetzende Methoden angewendet, darüber hinaus aber auch lebende und/oder tote Tiere für die adäquate Ausbildung in verschiedenen Lehrveranstaltungen eingesetzt.
Sektionen
Tiere sowie Tierkadaver bzw. tierische Erzeugnisse und Nebenprodukte der Lebensmittelkette werden in der biologischen Grundausbildung für Sektionen eingesetzt. Sie dienen der Vermittlung von Kenntnissen über Anatomie und Morphologie. Zudem ermöglichen Sektionen die direkte Untersuchung biologischer Strukturen und ihrer räumlichen Anordnung. Sie ergänzen Lehrbücher, Modelle und digitale Lehrmaterialien und vermitteln Einblicke in die natürliche Variabilität biologischer Organismen. Darüber hinaus werden im Rahmen der Präparation grundlegende praktische Fertigkeiten sowie Methoden der wissenschaftlichen Beobachtung, Dokumentation und Analyse vermittelt. Die Verwendung bereits getöteter Tiere in der Ausbildung aus vorheriger Nutzung steht im Einklang mit dem 3R-Prinzip (Reduce, Refine, Replace), da sie dazu beiträgt, den Einsatz weiterer Tiere zu verringern.

Bedeutung der Sektion im biologischen Grundstudium
Sektionen und das Präparieren von Organismen sind etablierte und unverzichtbare Bestandteile der biologischen Grundausbildung. An zahlreichen Universitäten sind entsprechende Lehrveranstaltungen bewusst als Pflichtmodule in den ersten Semestern verankert. Sie dienen der Vermittlung grundlegender fachlicher Kompetenzen, die durch digitale Medien oder Modelle nicht vollständig ersetzt werden können.
Wissenschaftliche Zielsetzungen und didaktische Relevanz
Die Sektion verfolgt das Ziel, ein realistisches und differenziertes Verständnis der Anatomie und Morphologie zu vermitteln. Sie ermöglicht Einsichten, die über idealisierte Darstellungen in Lehrbüchern oder Software hinausgehen.
Wesentliche Aspekte sind:
- Räumliche Anatomie — Die dreidimensionale Struktur von Organen, Geweben und Gefäßsystemen wird erst durch das schrittweise Freilegen vollständig erfassbar.
- Biologische Variabilität — Individuelle Unterschiede realer Organismen werden sichtbar und fördern ein authentisches Verständnis natürlicher Variation.
- Methoden- und Handlungskompetenz — Der präzise Umgang mit Instrumenten wie Skalpell, Pinzette und Mikroskop ist eine grundlegende Qualifikation für spätere Forschungs- und Laborarbeiten.
- Vergleichende Anatomie und Evolution — Morphologische Vergleiche verschiedener Tiergruppen ermöglichen ein vertieftes Verständnis funktionaler und evolutionärer Zusammenhänge.
Physiologie und Verhaltensbeobachtungen
Die Organismische Biologie beschäftigt sich mit dem Aufbau, den Funktionen, dem Verhalten, der Entwicklung und den Wechselwirkungen von Organismen mit ihrer Umwelt. Sie betrachtet Lebewesen als ganze Organismen und verbindet dabei verschiedene biologische Disziplinen wie Physiologie, Verhaltensbiologie und Ökologie. Zur Untersuchung von Kommunikations- und Wahrnehmungsprozessen bei elektrischen Fischen werden künstlich erzeugte elektrische Signale eingesetzt, die natürliche Reize nachbilden. Dabei können verschiedene Eigenschaften der Signale sowie die Umgebungsbedingungen gezielt variiert werden. Die Verhaltensreaktionen der Tiere werden erfasst und ausgewertet von den Studierenden, um Rückschlüsse auf die Bedeutung einzelner Reizmerkmale für Kommunikation, Orientierung und Wahrnehmung zu ziehen. Neben den biologischen Inhalten erarbeiten sich die Studierenden auch methodische Kenntnisse in der digitalen Erfassung biologischer Messdaten und ihrer Analyse sowie im Umgang mit Verstärkern und Oszilloskopen.

Angewandte Ethologie
In Verhaltensbeobachtungen und einfachen Lernexperimenten werden den Studierenden das Verhalten und die Haltung von Nutztieren vermittelt. Da viele Haltungsprobleme auf Störungen der Verhaltenssteuerung zurückzuführen sind, trägt die Forschung zu Verhalten und Emotionen von Tieren dazu bei, praktische Probleme bei Nutz-, Heim-, Labor- und Zootieren zu erkennen und zu lösen. Gleichzeitig werden die Studierenden für diese Herausforderungen sensibilisiert.

Versuchstierkundlicher Grundkurs entsprechend EU Funktion A
Dieser Kurs richtet sich an Personen, die Tierversuche durchführen möchten.
Studierende der Biologie haben die Möglichkeit, einen versuchstierkundlichen Grundkurs zu absolvieren als Voraussetzung zur Mitarbeit bei Tierversuchen. Der Kursinhalt wird durch den Aus- und Fortbildungsrahmen zur EU-Richtlinie 2010/63 vorgegeben. Im praktischen Teil werden neben Dummies und Tierkadavern auch lebende Mäuse und Ratten verwendet. Dies ist unverzichtbar, um beispielsweise den schonenden Umgang mit den Tieren zu erlernen. Für ihren Einsatz im Kurs werden die Tiere so trainiert, dass sie während der Übungen weniger Stress erfahren.

Weiterführende Informationen
Der Einsatz von Tieren erfolgt in verschiedenen Modulen der einzelnen Studiengänge. Weiterführende Informationen hierzu finden Sie unter den folgenden Links