Academic Freedom Week: Europäische Universitäten zwischen Resilienz und Verantwortung

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Im Rahmen der Academic Freedom Week diskutierten Expert*innen bei einer Podiumsdiskussion über Bedrohungen für die Wissenschaftsfreiheit und die Verantwortung und Resilienz Europäischer Universitäten.

Weltweit gerät die Wissenschaftsfreiheit zunehmend unter Druck. Auch in Deutschland und Europa zeigt der Academic Freedom Index einen Rückgang, während gesellschaftliche Polarisierungen zunehmen und populistische Kräfte an Macht gewinnen. Vor diesem Hintergrund fand vom 18. bis 22. Mai die Berlin Brandenburg Academic Freedom Week statt. Ein Highlight war eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Wissenschaftsfreiheit in Gefahr: Europäische Universitäten zwischen Resilienz und Verantwortung“, die am 20. Mai im Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin stattfand.

Nach einer Begrüßung durch den französischen Botschafter François Delattre  stellten Prof. Dr. Andrea Fleschenberg dos Ramos Pinéu von der HU und Prof. Dr. Khoo Ying Hooi von der Universiti Malaya zentrale Ergebnisse des Workshops „(Re-) constructing Solidarity: Connecting Academic Freedom Worldwide“ vor und Prof. Jay Rowell vom Centre Marc Bloch vom Roundtable „Transnational Perspectives on Academic Freedom“ – beides Veranstaltungen, die bereits vorab im Rahmen der Academic Freedom Week stattgefunden hatten. 

Welche Verantwortung haben europäische Universitäten?

Im Anschluss diskutierten auf dem Panel Prof. Dr. Julia von Blumenthal, Präsidentin der HU, Prof. Dr. Markus Hilgert, Präsident der Universität der Künste Berlin, Prof. Dr. Pierre-Paul Zalio, Präsident des Campus Condorcet, einem geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungscampus Pariser Hochschulen, und die unabhängige Forscherin Dr. Sevil Çakır. Im Mittelpunkt standen die Fragen, welche Verantwortung europäische Universitäten haben, wenn die Wissenschaftsfreiheit zunehmend bedroht ist, wie resilient sind sie und wie sie resilienter werden können. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion vom Wissenschaftsjournalisten Dr. Jan-Martin Wiarda.

Dass Wissenschaftsfreiheit nicht eindimensional betrachtet werden darf, darin waren sich alle einig. So sei es auf der einen Seite wichtig, individuell gefährdete Forscher*innen zu schützen. Auf der anderen Seite sei es wichtig, die Universitäten vor Angriffen zu schützen. Laut Çakır können Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit auch subtil sein oder etwa über prekäre Arbeitsbedingungen, Kürzungen in der Finanzierung oder zunehmenden Wettbewerb erfolgen. Vor allem die Solidarität unter Akademiker*innen, insbesondere mit den internationalen Partnerinstituten, sei von besonderer Bedeutung. 

„Die Universitäten sind ein Spiegel der Gesellschaft“

Auf die Frage, ob die Wissenschaftsfreiheit nicht auch von innen – also von den Wissenschaftler*innen selbst angegriffen werden könne, betonte von Blumenthal: „Die Universitäten sind ein Spiegel der Gesellschaft.“ Wenn etwa außerhalb der Universität rechtes, demokratiefeindliches Gedankengut in der Gesellschaft an Zustimmung gewinnt, dann passiere das auch innerhalb der Wissenschaft. Hier sei es wichtig, stets über den besonderen Wert der Wissenschaftsfreiheit aufzuklären und zu sensibilisieren. 

Respektvolle Diskussionskultur essenziell

Bei der abschließenden Fragerunde wurde gefordert, künftig noch stärker über die Rolle von Studierenden zu sprechen ¬– schließlich machten diese den Großteil der Universitäten aus. Hilgert verwies am Schluss – auch in Reaktion auf einen kleinen Protest – noch einmal auf das hohe Gut der Wissenschaftsfreiheit und einer respektvollen Diskussionskultur in unserer Gesellschaft: Das gegenseitige Zuhören und Respektieren, selbst bei sehr unterschiedlichen Ansichten, sei essenziell.

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Themen:
Wissenschaftsfreiheit