DFG fördert drei neue Forschungsprojekte für Nachwuchswissenschaftler*innen an der HU

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Forschung
Dr. Juliane Schaer erforscht Malaria-Parasiten in Fledermäusen, Dr. Tobias Rupprecht das Russische Reich als Verbündeten antikolonialer Bewegungen im 19. Jahrhundert und Dr. Stijn van Tongeren integrale Verformungen in der Holografie.

An der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) arbeiten drei neue Forschungsgruppen und -projekte, die durch das Heisenberg-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden: Die Gruppe „BATMAL – Fledermaus-Malaria-Parasiten (Haemosporida) – Untersuchung vielfältiger Wirt-Parasiten-Systeme“ der Biologin Dr. Juliane Schaer ist am Institut für Biologie angesiedelt, das Projekt „Antikoloniales Imperium. Russland in der Globalgeschichte seit dem 19. Jahrhundert“ unter Leitung des Historikers Dr. Tobias Rupprecht am Institut für Geschichtswissenschaften sowie die Gruppe des Physikers Dr. Stijn van Tongeren „Integrable Verformungen in der Holografie“ am Institut für Physik.

BATMAL – Fledermaus-Malaria-Parasiten (Haemosporida) – Untersuchung vielfältiger Wirt-Parasiten-Systeme

Die Interaktion zwischen Wirt und Parasit – genauer: zwischen Fledermaus und Malaria-verwandten Parasiten - steht im Fokus der Forschung von Juliane Schaer. Die promovierte Biologin untersucht die besonderen Merkmale dieser Parasiten, ihre Vielfalt und Evolutionsgeschichte sowie die Infektionsdynamiken und Auswirkungen auf die Säugetierwirte. Ab Juni erhält die Forschungsgruppenleiterin an der Abteilung Molekulare Parasitologie des Instituts für Biologie die maximal fünfjährige Heisenberg-Förderung.

Diese ermöglicht ihr, Langzeitdaten zu sammeln, sich mit anderen Wissenschaftler*innen zu vernetzen und Wildtierpopulationen unter anderem in Nord-Uganda zu untersuchen. „In bestimmten Flughundpopulationen sind dort 80 bis 90 Prozent der Tiere mit Malaria infiziert.“ Ihr Ziel sei herauszufinden, warum die Infektionen bei Fledermäusen – im Unterschied zu anderen Säugetieren wie dem Menschen - eher harmlos verlaufen. „Die Tiere, die bis zu 20 Jahre alt werden können, zeigen keine offensichtlichen Krankheitssymptome wie Fieber. Wir untersuchen, ob die Infektion dennoch langfristige Auswirkungen auf Organe wie Leber und Lunge haben", erläutert Juliane Schaer.

Sich selbst dabei anzustecken, sei höchst unwahrscheinlich, da nur eine Handvoll der rund 550 insektenübertragenen und wirtsspezifischen Malaria-Parasiten-Arten Menschen infizieren. Fledermaus-Parasiten bieten jedoch „ein einzigartiges Modell, um grundlegende Fragen zur Evolution und Biologie von Malariaparasiten zu untersuchen“, sagt Juliane Schaer.

Antikoloniales Imperium. Russland in der Globalgeschichte seit dem 19. Jahrhundert

Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes von Tobais Rupprecht steht eine bis heute andauernde Allianz: Das späte russische Zarenreich versuchte, im 19. Jahrhundert antikoloniale Akteure auf seine Seite zu ziehen. Umgekehrt nutzten politische Bewegungen, Eliten und Herrscher außerhalb Europas ihre Beziehungen zu Sankt Petersburg, um eigene innen- und außenpolitische Ziele zu verfolgen. „Damit rückt das Projekt bewusst von einer Perspektive ab, die nicht-europäische Akteure primär als passive Objekte imperialer Politik begreift, und hebt deren Handlungsmacht hervor“, sagt Tobias Rupprecht.

Anhand ausgewählter Fallstudien zu den damals unabhängigen Staaten Siam, dem heutigen Thailand, Äthiopien, Persien und Afghanistan will der promovierte Historiker gemeinsam mit Forschenden dieser Länder analysieren, wie prorussische Gruppen mit Russland zu kooperieren versuchten und was sie dazu motivierte. Quellenmaterial soll außerdem Aufschluss liefern über politische Bewegungen und Gruppierungen, die im westlichen China, in Korea und im Osmanischen Reich auf Russland setzten.

Tobias Rupprecht untersucht die Spannungen zwischen Russlands Rolle als expandierendes Imperium und Partner antikolonialer Kräfte sowie die Beiträge von Wissenschaft, Religion und zivilgesellschaftlichen Netzwerken zur Etablierung dieser Beziehungen. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Globalgeschichte des Russischen Imperiums und eröffnet zugleich neue Perspektiven auf gegenwärtige geopolitische Konstellationen: Antiwestliche Allianzen mit Russland gehen auf historische Traditionslinien zurück, die bis ins 19. Jahrhundert reichen.

Integrable Verformungen in der Holografie

Stijn van Tongeren befasst sich in seiner Forschung mit hochkomplexen Quantenfeldtheorien in der theoretischen Physik, mit denen das Verhalten und die Wechselwirkungen von Elementarteilchen beschrieben werden. „Weil man die gewünschten exakten Berechnungen meist aber nur annähernd durchführen kann, untersuchen wir idealisierte, hoch symmetrische Quantenfeldtheorien, die so einfach sind, dass wir exakte Lösungen ermitteln können“, sagt der promovierte Physiker.

Das Besondere an seinem Projekt – das seit September 2025 durch das Heisenberg-Stipendium gefördert wird – ist, dass es sich systematisch von diesen vereinfachten Anfangstheorien löst: „Wir verformen sie auf kontrollierte Weise, sodass wir die Fähigkeit zur exakten Berechnung bewahren und gleichzeitig ein breiteres Spektrum möglicher Theorien beschreiben können.“ Um dies technisch umzusetzen, müssen die bestehenden mathematischen Verfahren auf geeignete Weise angepasst werden. Die Ergebnisse sollen wiederum dazu beitragen, das Verständnis komplexer Modelle der realen Welt zu verbessern.

Holographie beziehe sich im Projekt auf die Verknüpfung unterschiedlicher Theorien der Teilchenphysik in verschiedenen Dimensionen: „Das ist vergleichbar mit der Holographie in der realen Welt, bei der die Informationen eines dreidimensionalen Bildes in einem zweidimensionalen Objekt festgehalten werden können – doch es handelt sich hierbei lediglich um eine Analogie“, so van Tongeren. „Meine Forschung ist Grundlagenforschung ohne unmittelbare industrielle Anwendungsmöglichkeiten. Sie soll dazu beitragen, unser Verständnis der mathematischen Struktur unseres Universums zu vertiefen.“

Das Heisenberg-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Das Ziel des Heisenberg-Programms ist es, herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die alle Voraussetzungen für die Berufung auf eine Langzeit-Professur erfüllen, zu ermöglichen, sich auf eine wissenschaftliche Leitungsposition vorzubereiten und in dieser Zeit weiterführende Forschungsthemen zu bearbeiten.

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