Dünger aus menschlichen Ausscheidungen

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Forschung
Ein Wissenschaftsteam der HU Berlin testet im Freiland, ob hygienisierter Fäkal-Kompost sicher ist für Mensch und Umwelt. Er könnte als umweltfreundlicher Dünger in der Landwirtschaft genutzt werden.

Menschliche Ausscheidungen könnten eine wichtige Rolle in einer nachhaltigen Landwirtschaft spielen. Ein Forschungsteam der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) hat unter Freilandbedingungen untersucht, wie sicher hygienisierter menschlicher Fäkalienkompost ausgebracht werden kann. Untersucht wurden die mikrobiellen Risiken für die menschliche Gesundheit, damit Krankheitserreger aus menschlichen Exkrementen durch Düngung und die anschließende Produktion von Lebensmitteln nicht in den Nahrungskreislauf gelangen können. Die Ergebnisse der Freilandversuche lassen darauf schließen, dass grobkörnige sandige Böden für die Ausbringung von qualitätsgesicherten Düngemitteln geeignet sind und keine Gefahr durch Krankheitserreger im Boden entsteht. 

Kreislaufwirtschaft statt Abfall

Bisher dürfen menschliche Ausscheidungen in Deutschland laut Düngemittelverordnung nur zu Forschungszwecken, aber nicht in der Landwirtschaft genutzt werden, weil bei unzureichender Hygienisierung bisher davon ausgegangen wird, dass sich in Böden und Nutzpflanzen Krankheitserreger und andere Schadstoffe anreichern. Andererseits haben die menschlichen Fäkalien im Rahmen der Kreislaufwirtschaft das Potenzial, Nährstoffe zu recyceln sowie Wasser und Energie zu sparen. Zudem kann solcher Dünger dabei helfen, Kohlenstoff im Boden zu speichern und so das Klima zu schützen.

Positive Ergebnisse im Praxistest

Ein Team von Wissenschaftler*innen unter der Leitung von Prof. Dr. Timo Kautz (HU) und Prof. Dr. Roland Hoffman-Bahnsen (HNEE) hat in ihrer Studie die Düngung mit einem doppelt wärmebehandelten und qualitätsgesicherten Kompost über einen Zeitraum zwischen knapp zwei Monaten und mehr als drei Jahren getestet. Untersucht wurde die Konzentration der Bakterien Escherichia coli, Enterokokken, Salmonellen und Clostridium perfringens im Boden. Sie gelten als geeignete Indikatororganismen, um Gesundheitsrisiken durch fäkale Verunreinigungen anzuzeigen. Verantwortlich für die Versuche war der HU-Wissenschaftler Jan-Ole Boness. „Wir leisten in unserem Reallabor Pionierarbeit, um die Wirkung des Düngers praxisnah messbar zu machen“, erklärt Jan-Ole Boness. „Der gut behandelte Kompost erwies sich als sicherer Dünger. Es konnte kein systematischer Anstieg an Indikatorkeimen gefunden werden.“  Für das Düngemittel wurden Fäkalien aus Trockentoiletten für sieben Tage auf 70 Grad Celsius erhitzt und dann mit weiteren Zuschlagstoffen bei hohen Temperaturen zehn Wochen kompostiert. Bisherige Daten stammen hauptsächlich aus Laborversuchen, deren Bedingungen sich stark von den Gegebenheiten auf dem Feld unterscheiden.

In kommenden Studien wird zu untersuchen sein, wie sich eine wiederholte Düngung über viele Jahre und auf unterschiedlichen Bodenarten auf das Boden-Mikrobiom auswirkt. Das Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlichen Basis, um die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft zu modernisieren.