Gwendolyn Sasse und Florian Jeßberger in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften gewählt

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Forschung
Anlässlich des Leibniz-Tages am 13. Juni 2026 wurden Prof. Dr. Gwendolyn Sasse und Prof. Dr. Florian Jeßberger von der Humboldt-Universität zu Berlin als ordentliche Mitglieder in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

Forschung zu Russlands Krieg gegen die Ukraine und seinen Folgen 

Die Sozialwissenschaftlerin Gwendolyn Sasse arbeitet mit einem regionalen Schwerpunkt auf Osteuropa an der Schnittstelle von Politikwissenschaften und Soziologie. Sie blickt gerne „von unten“ auf die großen politischen Umbrüche, Krisen und Kriege unserer Zeit. Sie erhebt regelmäßig eigene Umfragedaten in komplexen, von Krieg, Migration, Flucht oder Protesten geprägten Kontexten sowie Fokusgruppen- und Interviewdaten, die Einblicke in die Denk- und Argumentationsmuster von „ordinary citizens“ in Krisensituationen geben. Sie bringt sich aktiv in Diskussionen über multimethodische Herangehensweisen und forschungsethische Herausforderungen ein. Anhand von Fallstudien und vergleichender Forschung hat sie maßgeblich zum Verständnis von Transformationsprozessen und politischen Systemen in Osteuropa seit 1989/1991, der EU-Osterweiterung, politischen Protestbewegungen und den Ursachen, Dynamiken und Folgen von Kriegen beigetragen. Mit ihrer Forschung zu Russlands Krieg gegen die Ukraine und seinen Folgen ist sie eine prominente Stimme im öffentlichen Diskurs. Die Wissenschaftskommunikation ist ihr ein besonderes Anliegen. In einem interdisziplinären Projekt erforscht sie momentan am Beispiel der ukrainischen Zivilbevölkerung im Krieg die Häufigkeit von Belastungsstörungen und ihre Auswirkungen auf politische Einstellungen und Verhaltensweisen. Ein übergeordneter thematischer Fokus in ihrer Arbeit ist das Verhältnis von Krieg und Demokratie. 

Gwendolyn Sasse studierte von 1991 bis 1995 Geschichte, Slawistik und Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und an der London School of Economics (LSE). Nach ihrer Promotion in der Politikwissenschaft an der LSE (1999) war sie zunächst als Assistant Professor an der Central European University und dann als Lecturer und Senior Lecturer an der LSE tätig, bevor sie 2007 an die Universität Oxford wechselte. Dort war sie Professorial Fellow am Nuffield College und Professor in Comparative Politics. Seit 2016 hat sie als Wissenschaftliche Direktorin das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) in Berlin aufgebaut und wurde 2021 als Einstein-Professorin für Vergleichende Demokratie- und Autoritarismusforschung an die Humboldt-Universität zu Berlin berufen. Sie ist Senior Research Fellow am Nuffield College, Oxford und Senior Non-Resident Fellow beim Think Tanks Carnegie Europe.

Forschungsschwerpunkt: Grund und Grenzen der Verantwortlichkeit für „Großverbrechen“

Florian Jeßberger befasst sich mit den internationalen und historischen Dimensionen des Strafrechts. Schwerpunkte seiner Arbeit bilden die Erforschung von Grund und Grenzen der Verantwortlichkeit für „Großverbrechen“ – Völkermord, Kriegs- und Menschlichkeitsverbrechen, Terrorismus – sowie Fragen der Koordination und Integration normativer Ordnungen. Kennzeichnend für seinen methodischen Zugriff ist die Verbindung strafrechtlicher, völkerrechtlicher und zeitgeschichtlicher Perspektiven. Gegenwärtig gilt sein besonderes Interesse dem kolonialen Strafrecht und dessen Kontinuitäten.

Florian Jeßberger hat das Studium der Rechts- und Politikwissenschaften mit den beiden juristischen Staatsexamina (Köln 1995, Berlin 2000) abgeschlossen. 1999 wurde er durch die Universität zu Köln promoviert; 2008 habilitierte er sich an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er bis 2010 Inhaber der Lichtenberg-Professur für Internationales Strafrecht und Strafrechtsvergleichung war. 2010 übernahm er einen strafrechtlichen Lehrstuhl an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg. Seit 2020 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Juristische Zeitgeschichte an der Juristischen Fakultät und Direktor des Franz von Liszt-Instituts für Internationales Strafrecht der Humboldt-Universität. Gastprofessuren führten ihn an zahlreiche Universitäten im Ausland, zuletzt an die Columbia Universität in New York City, die Universität Oxford, die Universität Haifa und die Universität Ferrara. Seit 2025 leitet er als einer von zwei Gründungsdirektoren das Centre for Advanced Studies Reflexive Globalisation and the Law.

Über die Akademie

Der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften gehören derzeit 174 ordentliche Mitglieder sowie 65 außerordentliche Mitglieder aus allen Disziplinen und aus dem In- und Ausland an. Die Vereinigung herausragender Wissenschaftler*innen blickt auf eine Tradition von mehr als 300 Jahren zurück. Die Zuwahl erfolgt durch den Rat der Akademie und wird durch die Versammlung der Akademiemitglieder bestätigt.

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