Wir, das Präsidium der Humboldt-Universität zu Berlin (HU), rufen zu Solidarität mit der Universität Belgrad und ihrem Rektorat auf. Die HU und die Universität Belgrad sind in der Europäischen Hochschulallianz Circle.U sowie durch bilaterale Projekte eng verbunden. Jede Bedrohung der Unabhängigkeit der Universität Belgrad geht uns alle an. Die Universität Belgrad, ihre Studierenden und Lehrenden sowie ihr Rektorat stehen für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie eine demokratische Gesellschaft in Serbien.
In den letzten Monaten erreichten uns von der Universität Belgrad mehrfach besorgniserregende Meldungen über den wachsenden Druck auf Mitarbeitende und Studierende als Reaktion auf Proteste für einen demokratischen Wandel in Serbien, der wesentlich von Studierenden getragen wird. Ein negativer Höhepunkt waren die Ereignisse am 31. März 2026, die sich unter anderem unmittelbar gegen das Rektorat und den Rektor, Vladan Đokić, richten. Auslöser der aktuellen Geschehnisse ist ein schwerwiegender Unfall am 26. März an der Philosophischen Fakultät in Belgrad, bei dem eine 25-jährige Studentin durch einen Sturz aus dem Fenster des 5. Stocks ums Leben gekommen ist.
HU-Präsidium verurteilt Angriff auf Mitglieder der Universität Belgrad
Die Studierenden, die Fakultät und das Rektorat zeigten sich bestürzt über den Unfall und den Tod der jungen Studentin. Die Verantwortlichen sagten den Ermittlungsbehörden von Beginn an volle Kooperation bei der Aufklärung der Umstände zu. Die darauffolgenden Ereignisse sprechen dafür, dass die Untersuchungen genutzt werden sollen, um die Proteste und ihre Unterstützer*innen an den Hochschulen weiter ins Visier zu nehmen und zu diskreditieren.
So stürmten am 31. März mehrere Einheiten der Polizei ohne Vorwarnung und Absprachen das Rektorat der Universität Belgrad. Begleitet wurden die Polizeieinheiten dabei von einem regierungsnahen Filmteam, das live den Einsatz, die Überreichung des Durchsuchungsbefehls und die Konfrontation mit Vladan Đokić im TV übertrug.
Für diesen Einsatz hielten sich Polizeikräfte elf Stunden lang im Gebäude auf, blockierten zeitweise die Ein- und Ausgänge und hielten Herrn Đokić in seinen Büroräumen fest. Das Rektorat der Universität Belgrad berichtet, dass Festplatten, Computer und Akten beschlagnahmt wurden, die nichts mit einer Untersuchung des Unfalls zu tun hätten. Nach Sicht der Belgrader Universität werden diese Untersuchungen missbraucht, um weitere Repressionen vorzubereiten. Die Universität hat sich bereits entschieden, rechtlich und öffentlich gegen diese Vorgänge vorzugehen.
Wir sehen uns als Humboldt-Universität zu Berlin und in der Circle-U.-Verbindung gemeinsamen Werten und Vorstellungen verpflichtet. Hierzu gehört die Freiheit von Lehre und Studium, die Autonomie der Hochschulen sowie der Schutz vor politischen Repressionen als gemeinsames Fundament. Wir verurteilen den Angriff auf Universitätsmitglieder und die Institutionen der Universität von Belgrad. Wir werden die Lage an der Hochschule weiterhin genau beobachten und den solidarischen Austausch mit den Kolleg*innen vor Ort fortsetzen.