Verabschiedung eines außergewöhnlichen Hochschullehrers

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Lehre
Das Geographische Institut ehrt mit einem Festkolloquium Prof. Dr. Bernhard Nitz, einen der dienstältesten Hochschullehrer in der Geschichte der Humboldt-Universität.

Ein historischer Abschied in Adlershof

Am 10. Februar 2026 verabschiedet das Geographische Institut der Humboldt-Universität zu Berlin einen Kollegen, der die Geschichte des Instituts über Jahrzehnte hinweg mitgeprägt hat. Mit seinem Festvortrag beendet einer der dienstältesten Hochschullehrer in der Geschichte der HU seine aktive Lehrtätigkeit: Mit 91 Jahren steht Bernhard Nitz nochmals am Rednerpult im Erwin-Schrödinger-Zentrum in Adlershof. Aus einer ganz besonderen Perspektive zeichnet er die Entwicklung der Geographie an der Humboldt-Universität zu Berlin von der Nachkriegszeit nach, über die Rolle des Instituts in der DDR bis in die frühen 1990er Jahre.  

Für Generationen von Studierenden war er weit mehr als ein Dozent. Seine Vorlesungen, insbesondere zu den Grundlagen der Physischen Geographie, genossen über Jahrzehnte hinweg große Beliebtheit. Fachliche Präzision, didaktische Klarheit und seine unverwechselbare persönliche Art machten Bernhard Nitz über Generationen hinweg zu einer festen Größe im Studium unserer Studierenden – zu dem, was man mit Recht eine „Institution“ nennen kann. Noch bis ins hohe Alter vermittelte er grundlegende Inhalte seines Fachs mit ungebrochener Leidenschaft und intellektueller Wachheit. Bis vor wenigen Jahren leitete er zudem Exkursionen im In- und Ausland und begeisterte Studierende auch außerhalb des Hörsaals für geographische Fragestellungen.  

Zeitzeuge zwischen drei Epochen

Seine Bedeutung für das Institut reicht jedoch weit über Lehre und Forschung hinaus. Als Zeitzeuge kennt er die Entwicklung des Instituts von der unmittelbaren Nachkriegszeit (als Student) bis Ende der 1990er Jahre (als Professor) aus eigener Anschauung – und arbeitet seitdem als Seniorprofessor. In seiner akademischen Laufbahn, die ihn von der Studienzeit über die Tätigkeit als Oberassistent bis hin zur Professur an der HU führte, spiegeln sich zentrale Brüche und Neubeginne der deutschen Wissenschaftsgeschichte wider: der Wiederaufbau nach 1945, die jahrzehntelange Prägung durch sozialistische Wissenschaftspolitik in der DDR sowie die tiefgreifenden Umbrüche der Wendezeit.  

Brückenbauer für die Wissenschaft

In seinen Erinnerungen verbindet sich institutionelle Geschichte mit persönlichen Erfahrungen aus mehreren politischen Systemen und wissenschaftlichen Kulturen. Diese Perspektive machte ihn nicht nur zu einem geschätzten Kollegen, sondern auch zu einem wichtigen Gesprächspartner für jüngere Wissenschaftler*innen, die von seinem Erfahrungsschatz profitierten.  

Das Geographische Institut und die Humboldt-Universität zu Berlin verabschieden sich mit großer Dankbarkeit von einem Hochschullehrer, der über Generationen hinweg Studierende geprägt, wissenschaftliche Kontinuität bewahrt und den Wandel der Universität aktiv mitgestaltet hat.  

Autor: Prof. Dr. Patrick Hostert, Geographisches Institut der HU