In den ersten Wochen nach der Vollinvasion Russlands in die Ukraine zeigte sich schnell, dass umfassend Unterstützung für Ukrainer*innen nötig war. Während die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) ihre institutionellen Kontakte zu russischen Partnern einfror, baute sie die Unterstützung für ukrainische Studierende, Studieninteressierte und Wissenschaftler*innen gezielt aus. Um den hohen Beratungsbedarf aufzufangen und zu koordinieren, stellte die HU im April 2022 zwei bereits an der HU immatrikulierte ukrainische Studentinnen als Beraterinnen ein.
Seither konnten rund 4.500 geflüchtete Studierende an der HU individuell begleitet werden. Die Beratung ist häufig die erste Anlaufstelle – etwa bei Fragen zu Zulassungsvoraussetzungen, Bewerbungsverfahren oder zum Studienstart in Deutschland.
„Die Beratung ist sehr bereichernd“, sagt Yuliia Levytska, studentische Mitarbeiterin. „Viele starten verunsichert und gewinnen Schritt für Schritt Sicherheit. Besonders inspirierend ist zu sehen, wie sie neue Hoffnung schöpfen und später selbstbewusst studieren und ihr Hochschulleben genießen.“
Immatrikulation auf Zeit und Sprachkurse
Bereits zum Sommersemester 2022 führte die HU ein vereinfachtes Verfahren zur Aufnahme ukrainischer Studierender ein. Geflüchtete, die in Berlin registriert sind, zum Zeitpunkt ihrer Flucht an einer ukrainischen Hochschule studiert haben und über gute Deutsch- oder Englischkenntnisse verfügen, können sich für bis zu vier Monate immatrikulieren. Als Austauschstudierende besuchen sie Lehrveranstaltungen und bereiten sich auf ein reguläres Studium vor. Bisher nutzten 270 Personen dieses Angebot.
Ergänzend bietet die Universität mit Mitteln des Berliner Senats Sprachkurse bis zum Zielniveau C1 an. Diese schufen für bislang 220 Geflüchtete die formalen Voraussetzungen für eine reguläre Bewerbung. Viele von ihnen bewarben sich anschließend erfolgreich auf ein Studium mit Abschluss.
Mehr Austausch mit Partnern und Tests für Schüler*innen
Die Humboldt-Universität hat zudem ihre Partnerschaften mit der Taras-Schewtschenko-Universität Kyjiw und der Iwan-Franko-Universität Lwiw vertieft, um Studierenden und Gastwissenschaftler*innen Studien- und Forschungsaufenthalte in Berlin zu ermöglichen. In der Slawistik wurde ein Ukrainisch-Lektorat eingerichtet.
Darüber hinaus unterstützt die HU das ukrainische Bildungsministerium. Sie stellt Räume und Infrastruktur für den ukrainischen Multifachtest bereit. Der Text ermöglicht den Schüler*innen einen Zugang zu ukrainischen Universitäten, die so die Verbindung zum ukrainischen Bildungssystem aufrechterhalten.
Unterstützung für Wissenschaftler*innen
Die Humboldt-Universität setzt sich auch dafür ein, dass geflüchtete ukrainische Wissenschaftler*innen ihre Arbeit in Deutschland fortsetzen können. Durch eine Kombination aus Spenden sowie Drittmitteln der EU und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) wurden kurzfristige Überbrückungsstipendien für geflüchtete Wissenschaftler*innen, die in Deutschland eine akademische Perspektive und einen akademischen Partner an der HU hatten, finanziert. Diese gaben rund 15 Forschenden die nötige Sicherheit, um sich mittelfristig auf reguläre Fördermittel zu bewerben. Viele von ihnen haben eine Anschlussfinanzierung gefunden.