Nur wenige Monate nach ihrer Entdeckung sind erste Funde des SIRIS-Projects der Humboldt-Universität zu Berlin bereits Teil einer öffentlichen Museumsausstellung in Italien. Seit Dezember 2025 werden ausgewählte Objekte aus der Grabungskampagne 2025 im Museo Archeologico Nazionale della Siritide in Policoro präsentiert – ein außergewöhnlich schneller Übergang von der archäologischen Ausgrabung in die museale Öffentlichkeit.
Die präsentierten Funde stammen aus einer Forschungs- und Lehrgrabung des SIRIS-Projects, das am Winckelmann-Institut für Klassische Archäologie der Humboldt-Universität zu Berlin angesiedelt ist. Das internationale Projekt, geleitet von Dr. Annarita Doronzio, untersucht die antike Stadt Siris/Herakleia in Süditalien und verbindet archäologische Spitzenforschung mit universitärer Lehre, Nachwuchsförderung und aktiver Wissenschaftskommunikation.
Archaisches Votivdepot von außergewöhnlicher Bedeutung
Im Zentrum der Ausstellung steht das sogenannte „Deposito Votivo Humboldt“, ein außergewöhnlicher Votivkomplex aus einem archaischen Kultkontext des 6. Jahrhunderts v. Chr., der während der ersten Grabungskampagne vom 21. Juli bis 16. August 2025 freigelegt wurde. Der Befund umfasst 16 nahezu vollständig erhaltene Keramikgefäße sowie eine außergewöhnlich gut erhaltene Terrakotta-Statuette einer Göttin, deren Typus in diesem Erhaltungszustand bislang einzigartig ist.
Die Funde dokumentieren frühe religiöse Praktiken im Gebiet des antiken Siris/Herakleia und stehen im Zusammenhang mit dem archaischen Demeterheiligtum an einer bis heute aktiven Süßwasserquelle. Der hervorragende Erhaltungszustand und die hohe wissenschaftliche Aussagekraft dieses Depots veranlassten die italienischen Partnermuseen dazu, die Funde bereits wenige Monate nach ihrer Entdeckung öffentlich zu präsentieren – ein in der archäologischen Forschung seltener Vorgang, da zwischen Grabung und Ausstellung in der Regel mehrere Jahre liegen.
Teil der Wanderausstellung „Le dee del grano“
Die ausgestellten Objekte sind Bestandteil der Wanderausstellung „Le dee del grano“ (Die Göttinnen des Getreides), die vom 20. Dezember 2025 bis 7. Juni 2026 in mehreren Museen der Basilikata gezeigt wird. Die Ausstellung widmet sich dem Kult der Göttin Demeter in Süditalien und wird von den Musei Nazionali della Basilicata (Italienisches Kulturministerium) organisiert.
Forschung, Lehre und internationale Zusammenarbeit
Das SIRIS-Project wird in enger Kooperation mit italienischen Partnerinstitutionen durchgeführt, darunter die Università degli Studi di Napoli Federico II und das CNR (Istituto di Metodologie per l’Analisi Ambientale). Bereits die erste Feldkampagne 2025 war mit 16 Teilnehmenden – überwiegend Studierenden der Humboldt-Universität – ein wichtiger Auftakt für das Projekt.
Die Studierenden arbeiteten unter realen Feldbedingungen und nutzten moderne digitale Dokumentationsmethoden wie GIS, 3D-Fotogrammetrie und digitale Geländemodelle. Durch Tage der offenen Grabung und Führungen für die lokale Bevölkerung wurde ein aktiver Wissenstransfer gefördert.
Ausblick: Fortsetzung der Grabungen im März
Die nächste Grabungskampagne des SIRIS-Projects beginnt am 16. März im Archäologischen Park von Siris/Herakleia. Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten Kampagne werden die Untersuchungen im Bereich der früharchaischen Befestigungsanlagen und des Heiligtums fortgesetzt.
