Die weltweite Klimapolitik wird das Ziel des Pariser Abkommens von 2015 sehr wahrscheinlich verfehlen, die globale Erwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu begrenzen. Die Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Diese Diagnose ist der Ausgangspunkt für die Vorträge von Prof. Richard Balme, von der Science Po in Paris, am Dienstag, dem 26. Mai 2026 und Prof. Sabine Fuss vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) am 2. Juni 2026 im Senatssaal, Hauptgebäude der HU, Unter den Linden 6, 10117 Berlin.
Warum es Staaten nicht gelingt ihre klimapolitischen Ziele zu erreichen – ein Vergleich
Trotz der vielen wissenschaftlichen Erkenntnisse über den menschengemachten Klimawandel und des im Pariser Abkommen erklärten Willens, ihm zu begegnen, gelingt es den Staaten nicht, ihre selbstgesteckten klimapolitischen Ziele zu erreichen. Richard Balme weist in seiner vergleichenden politikwissenschaftliche Analyse auf die Bedeutung von Institutionen hin: Diese können gesellschaftliche Strukturen zementieren, die eine auf fossilen Brennstoffen basierende Wirtschaft aufrechterhalten, oder alternativ die Energiewende erleichtern und Maßnahmen zur Klimaanpassung und Resilienz befördern. Balme vergleicht in seinem Vortrag „The State in the Anthropocene: The Comparative Politics of Climate Institutions and Climate Policies“ die Klimainstitutionen der Europäischen Union, Chinas (VR China) und der USA und arbeitet die Unterschiede in den Klimaschutzregimen für diese drei Fälle heraus.
Auf einen Blick
- Wann: Dienstag, 26. Mai 2026, 18 bis 19:30 Uhr
- Wo: Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, 10117 Berlin, Senatssaal
- Programm und Anmeldung: Der Vortrag mit dem Titel „The State in the Anthropocene: The Comparative Politics of Climate Institutions and Climate Policies“ findet in englischer Sprache statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.
Zur Person
Richard Balme ist ordentlicher Professor für Politikwissenschaft am Zentrum für Europastudien und Vergleichende Politikwissenschaft der Sciences Po Paris. Seine Forschung befasst sich mit Klima- und Umweltpolitik aus vergleichender Perspektive. Von 2018 bis 2022 war er Leiter des Atelier interdisciplinaire de recherches sur l’environnement, der Forschungsplattform für Umweltforschung in den Sozial- und Geisteswissenschaften an der Sciences Po. Balme hat an der Universität Hongkong, der Tsinghua-Universität in Peking und der Columbia University in New York gelehrt. Von 2012 bis 2014 war er Mitglied des Conseil Economique, Social et de l’Environment und von 2016 bis 2020 Mitglied the Conseil de l’Institut d’Etudes Politiques de Paris (Sciences Po).
Potentiale und Herausforderungen des Kohlenstoffmanagements
Sabine Fuss stellt in ihrem Vortrag „Zurück in die (1,5 °C) Zukunft: Potentiale und Herausforderungen von CO₂-Entnahmen“ die Bedeutung atmosphärischer CO₂-Entnahmen (Carbon Dioxide Removal, CDR) in den Mittelpunkt. Sie argumentiert, dass CDR unverzichtbar ist , um nach einem absehbaren Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze („Overshoot“) die weitere Erwärmung zu begrenzen und langfristig wieder unter diesen Grenze zurückzukehren. Sie stellt den aktuellen Forschungsstand zum Kohlenstoffmanagement vor und beleuchtet die ökonomischen, technischen, ökologischen und sozialen Herausforderungen, CDR-Projekte im großen Maßstab zu realisieren. Darüber hinaus geht sie auf geographische Unterschiede im Kohlenstoffmanagement ein, diskutiert Fragen globaler Gerechtigkeit und, wie in einer Zeit großer geopolitischer Unsicherheit tragfähige Finanzierungsmodelle für CDR-Projekte gestaltet werden können.
Auf einen Blick
- Wann: Dienstag, 2. Juni, 18 bis 19:30 Uhr
- Wo: Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, 10117 Berlin, Senatssaal
- Programm und Anmeldung: Der Vortrag „Zurück in die (1,5 °C) Zukunft: Potentiale und Herausforderungen von CO₂-Entnahmen“ wird auf Deutch vorgetragen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.
Zur Person
Sabine Fuss ist Abteilungsleiterin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und leitet dort außerdem eine Forschungsgruppe zu nachhaltigem Kohlenstoffmanagement. Sie hat eine Professur für Nachhaltiges Ressourcenmanagement und Global Change am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin inne. Zuvor arbeitete Prof. Dr. Fuss am International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg, Österreich. Ihre Fachgebiete sind nachhaltige Entwicklung, Tropenwaldschutz und Klimaschutz mit besonderem Schwerpunkt auf der Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre (CDR). Sie war Leitautorin beim 1,5 °C-Sonderbericht des Weltklimarats und wurde 2021 in die Europäische Akademie der Wissenschaften berufen.
Hinweis zu Film- und Fotoaufnahmen
Während der KOSMOS-Veranstaltung entstehen Foto- und Videoaufnahmen. Das Material wird ausschließlich zum Zweck der Öffentlichkeitsarbeit an der Humboldt-Universität verwendet.
Über die Kosmos-Lesungen
Die KOSMOS-Lesungen werden vom Integrativen Forschungsinstitut IRI THESys der Humboldt-Universität veranstaltet. Das IRI THESys widmet sich dem Forschungsfeld Transformationen von Mensch-Umwelt-Systemen aus interdisziplinärer Perspektive.
