Zentrum für Deutschlandstudien an der Peking Universität
Freie Universität Berlin & Humboldt-Universität zu Berlin
3. und 4. Juli in Berlin
„Bildung“ gilt trotz analoger Begriffe in anderen Sprachen als genuin deutsche Prägung. Seit der Aufklärung – etwa bei Herder, Humboldt und Schiller – bezeichnet sie mehr als Wissensvermittlung oder berufliche Qualifikation: Bildung zielt auf die Formung des ganzen Menschen, auf Selbstreflexion, moralische Urteilskraft und geistige Freiheit. In der deutschen Geistesgeschichte wurde sie zu einem zentralen Bezugspunkt für das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft und fand ihren literarischen Ausdruck im Bildungsroman. Zugleich fungierte Bildung als Distinktionsmerkmal des Bürgertums.
Die Geschichte zeigt jedoch auch die Spannungen zwischen Bildungsideal und Zivilisationsbruch – symbolisch verdichtet etwa im Erinnerungsort Weimar und dem benachbarten KZ Buchenwald. Entsprechend wird der Bildungsbegriff bis heute kontrovers diskutiert: von Adornos Diagnose der „Halbbildung“ über Kritik an meritokratischen Versprechen bis hin zur Frage nach dem normativen Gehalt von Bildung in einer von geopolitischen Konflikten, Machtlogiken und technologischen Umbrüchen geprägten Welt.
Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz verschärfen sich diese Fragen. KI transformiert Forschung, Lehre und schulische Bildung weltweit – von europäischen Innovationsinitiativen bis hin zur umfassenden Integration in chinesischen Metropolen. Vor diesem Hintergrund stellen sich grundlegende Fragen neu:
Wie definieren wir menschliche Bildung im KI-Zeitalter? Welche Fähigkeiten machen uns gegenüber der Maschine einzigartig? Und wie lassen sich technologische Innovation, soziale Gerechtigkeit und kulturelle Nachhaltigkeit verbinden?
Die Tagung wird im Rahmen des Zentrums für Deutschlanstudien (ZDS) in Kooperation mit der Peking Universität und der Freien Universität Berlin ausgerichtet und richtet sich an alle interessierten Wissenschaftler:innen, die den Bildungsbegriff historisch, systematisch und zukunftsorientiert reflektieren.
Thematische Schwerpunkte sind:
- Bildungsbegriff in der deutschen Geistesgeschichte
- Bildung, Ausbildung und Meritokratie
- Bildungshumanismus und Barbarei
- Wertaffinität von Bildungsprogrammen
- Bildung, Literacy und Wissen im Zeitalter der KI
- Nachhaltigkeit und Bildung
- Bildung in Kunst und Wissenschaft
Wir laden Wissenschaftler:innen herzlich ein, sich mit einem Beitrag zu beteiligen.
Einreichungsfrist: 30.04.2026
Kontakt: Dr. Julia Kobzar
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