Seit 2015 steht die Humboldt-Universität zu Berlin konsequent dafür ein, Studierende und Forschende zu unterstützen, die aufgrund von Verfolgung, Konflikten oder erzwungener Flucht in Gefahr oder Not geraten sind. Wir erkennen die transformierende Kraft von Bildung an und setzen uns dafür ein, eine inklusive und sichere Umgebung zu schaffen, in der Menschen aus besonders gefährdeten Lebenssituationen sowohl akademisch als auch persönlich gedeihen können.
Ressourcen, Expertise und Interessenvertretung
Um diese Arbeit zu ermöglichen, arbeitet das Welcome Centre unserer Universität aktiv mit einem breiten Netzwerk regionaler, nationaler und internationaler Partner zusammen. Diese Kooperationen ermöglichen es uns, besonders bedürftige Personen zu identifizieren, gezielte Unterstützung anzubieten und unsere Wirkung durch gemeinsame Ressourcen, Expertise und Interessenvertretung zu verstärken. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Universitäten, NGOs sowie globalen Bildungsnetzwerken stellen wir sicher, dass unsere Unterstützung sowohl wirksam als auch nachhaltig ist.
Unsere Aktivitäten spiegeln unseren Glauben an das grundlegende Recht auf Bildung sowie unsere Verantwortung wider, die akademische Freiheit, die Würde des Menschen und globale Solidarität zu wahren. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, diese Initiativen zu schützen und zu stärken, damit alle Studierenden und Forschenden – unabhängig von ihren Lebensumständen – die Möglichkeit haben, ihre Ziele zu verfolgen und einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.
Unterstützung für gefährdete Forschende
In ihrer mehr als 200-jährigen Geschichte hat die Humboldt-Universität unter und mit nicht-demokratischen Regimen gearbeitet und Phasen erlebt, in denen Wissenschaft und Forschung nicht frei gedeihen konnten. Ausgehend von dieser historischen Verantwortung setzen wir uns nachhaltig für den Schutz der akademischen Freiheit ein. Deshalb engagieren wir uns in mehreren deutschen und internationalen Initiativen, die darauf ausgerichtet sind, Forschende aus Ländern, in denen Verfolgung oder Krieg herrschen, aufzunehmen und zu schützen.
An der Humboldt-Universität möchten wir sichere Räume schaffen, in denen verfolgte Forschende frei forschen und arbeiten können. Zu diesem Zweck kooperieren wir mit Stiftungen, die verfolgte Wissenschaftler*innen für kurz- und mittelfristige Aufenthalte unterstützen. Im Rahmen der Philipp-Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung können wir gefährdete Forschende für einen 24-monatigen Aufenthalt aufnehmen. Diese Fellowships ermöglichen es den Forschenden, an der Humboldt-Universität zu arbeiten und neue Netzwerke aufzubauen. In Zusammenarbeit mit der Einstein Stiftung haben wir bisher elf fortgeschrittene und Nachwuchsforschende aufgenommen. Insgesamt haben wir über 60 Wissenschaftler*innen betreut, hauptsächlich aus Syrien, der Türkei, dem Jemen, Afghanistan, der Ukraine, Belarus, Russland und Brasilien.
Globale Bedrohungen der akademischen Freiheit erfordern starke Netzwerke, um Wissenschaftlerinnen und ihre Arbeit zu verteidigen und zu schützen. Seit 2016 ist die Humboldt-Universität förderndes Mitglied des Scholars at Risk network, nimmt an dessen Kampagnen für akademische Freiheit teil und unterstützt die Schutzarbeit, indem sie gefährdete und vertriebene Wissenschaftler*innen aufnimmt. Unser Engagement für das Netzwerk haben wir 2023 vertieft, als wir dem deutschen Lenkungsausschuss beigetreten sind und die Leitung des deutschen Netzwerkkapitels bis 2028 übernommen haben.
Als erste deutsche Universität ist die Humboldt-Universität 2020 außerdem offiziell dem New University in Exile Consortium beigetreten und arbeitet aktiv mit dem Verbund von über 70 Universitäten weltweit zusammen.
Im Jahr 2023 initiierte die Humboldt-Universität zu Berlin die Academic Freedom Week in Solidarität mit gefährdeten Forschenden. Die Veranstaltung markierte den Start eines regionalen Scholars at Risk Chapters, das Partneruniversitäten in Berlin und Brandenburg zusammenbringt. Das Netzwerk bietet einen Raum für den Austausch von Ressourcen, Know-how und bewährten Verfahren, um verfolgte Wissenschaftler*innen im Raum Berlin-Brandenburg besser zu unterstützen. Ab 2026 organisiert das Netzwerk gemeinsam die Berlin-Brandenburg Academic Freedom Week. Sie positioniert die Region Berlin und Brandenburg als führende Stimme für die akademische Freiheit.
Die Academic Freedom Week bringt akademische und institutionelle Akteur*innen zusammen und verfolgt folgende Ziele:
- Sichtbarkeit schaffen für gefährdete Forschende, um ihre aktive und systematische Einbindung in die wissenschaftliche Landschaft Berlins und Brandenburgs zu fördern
- regelmäßige Austauschmöglichkeiten bieten, um Mobilisierung von wissenschaftlichen, politischen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen zu stärken
- Engagement für Hosting-Programme langfristig sichern
- akademische Freiheit breiter fördern und Sichtbarkeit sowie Austausch innerhalb der akademischen Communities stärken
Unterstützung für geflüchtete Studierende
Geflüchtete Studierende sind an der Humboldt-Universität zu Berlin herzlichst willkommen. Seit 2015 bietet die Universität Unterstützung für vertriebene und geflüchtete Studierende. Egal, ob Sie bereits an der HU studieren oder ein Studium an unserer Universität aufnehmen möchten – das Welcome Centre steht Ihnen für alle Fragen zur Verfügung.
Aus unserer Erfahrung gibt es drei zentrale Bereiche, in denen Studierende und Studieninteressierte besonders Unterstützung benötigen. Nachfolgend finden Sie Links und Ressourcen, die Ihnen helfen, sich im deutschen Hochschulsystem zurechtzufinden.
Wenn Sie sich an der HU einschreiben möchten, können Sie sich gerne für eine erste Beratung an uns wenden. Wir laden Sie zudem ein, unsere Sprechzeiten im International Service Centre wahrzunehmen.
Für zusätzliche Unterstützung können Sie sich auch an das Studierendenwerk International Student Counselling wenden – ein spezielles Beratungsangebot der Berliner öffentlichen gemeinnützigen Studierendenorganisation.
Um Ihnen bei der Suche nach passenden Stipendien zur Finanzierung Ihres Studiums zu helfen, haben wir eine Reihe von Ressourcen zusammengestellt. Wir empfehlen Ihnen außerdem, einen Blick auf die Seiten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zu diesem Thema zu werfen.
Für Postgraduierten- und Promovierenden-Programme steht zudem die EURAXESS-Plattform zur Verfügung, die verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten und Stellenangebote für Nachwuchswissenschaftler*innen bündelt.
Um in emotional herausfordernden Zeiten Hilfe zu erhalten, gibt es verschiedene Anlaufstellen. Das öffentliche, gemeinnützige Studierendenwerk betreibt ein Beratungszentrum. Sobald Sie an der Humboldt-Universität eingeschrieben sind, können Sie sich außerdem an den psychologischen Beratungsdienst der Universität wenden. Hier können Sie ein Online- oder persönliches Gespräch mit einer qualifizierten Fachkraft vereinbaren und gemeinsam Ihre nächsten Schritte besprechen.
In Notfällen steht Ihnen der Berliner Krisendienst rund um die Uhr, an jedem Tag im Jahr, zur Verfügung. Die kostenfreie Unterstützung erfolgt überwiegend telefonisch, ist aber auch an mehreren Standorten in der Stadt und in verschiedenen Sprachen verfügbar. Ebenso bietet das TransVer-Netzwerk Beratung, Unterstützung und Informationen für Migrant*innen und Geflüchtete in vielen Sprachen (unterstützt von der Stadt Berlin, der Charité und dem Berlin Institute for Empirical Integration and Migration Research). Ein weiteres bemerkenswertes gemeinnütziges Angebot ist das ÜBERLEBEN-Zentrum, das mehrsprachige, traumazentrierte psychologische und soziale Beratung speziell für Geflüchtete und Migrant*innen anbietet.
Programme für geflüchtete Studierende aus der Ukraine

Als Ausdruck der Solidarität nach dem groß angelegten Überfall auf die Ukraine hat die Humboldt-Universität zu Berlin ein Programm gestartet, das geflüchteten Studierenden die Einschreibung als Austauschstudierende ermöglicht. Mit diesem Status werden die Studierenden Teil unserer Universität und können ECTS-Punkte erwerben.
Voraussetzungen sind, dass die Studierenden ukrainische Staatsbürger*innen sind, an einer Universität in der Ukraine eingeschrieben sind, über einen gültigen Aufenthaltstitel für Berlin verfügen und ausreichende Kenntnisse in Englisch oder Deutsch nachweisen können.
Wenn Sie sich bewerben möchten, reichen Sie bitte folgende Unterlagen ein:
- Kopie Ihres Reisepasses
- Sprachzertifikat (Deutsch B1/B2 oder Englisch B2). Falls Sie kein Zertifikat besitzen, nutzen Sie bitte unseren Online-Test.
- Aufenthaltstitel oder Bescheinigung über den Antrag als Geflüchtete*r aus der Ukraine, einschließlich einer Verteilungsentscheidung für Berlin vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten oder einer Meldebestätigung des Berliner Bürgeramts.
- Einschreibungsbescheinigung Ihrer ukrainischen Universität oder eine Dovidka, aus der Ihre Universität, Ihr Studiengang und Ihr Semester hervorgehen.
Unterlagen per E-Mail einreichen
Wir prüfen Ihre Bewerbung und informieren Sie über das Ergebnis der Auswahl. Bei Annahme in das Programm müssen Sie die HU-Semestergebühr (305 Euro) bezahlen. Für Studierende unserer Partneruniversitäten Taras-Schewtschenko-Universität Kiew und Ivan-Franko-Universität Lwiw gelten die regulären Bedingungen von Erasmus+. Weitere Informationen erhalten Sie beim International Office Ihrer Heimatuniversität.
Bitte beachten Sie: Austauschstudierende können an der Humboldt-Universität keinen Abschluss erwerben. Dafür ist eine Einschreibung als abschlussorientierte*r Student*in erforderlich.
Studieninteressierte aus der Ukraine sowie ukrainische Geflüchtete mit Fragen zum Studium oder zur Bewerbung an der Humboldt-Universität zu Berlin können die reguläre offene Sprechstunde des Welcome Centres für internationale Studierende nutzen.
Welcome Centre - Offene Sprechstunde
Zeit:
Dienstag, 13 – 15 Uhr
Ort:
International Service Centre (Raum 1068) im Hauptgebäude, Unter den Linden 6
Es handelt sich um eine offene Sprechstunde, eine Terminvereinbarung ist nicht erforderlich.
Global University Academy
Seit 2024 ist die Humboldt-Universität zu Berlin Teil eines weltweiten Netzwerks von Universitäten, die gemeinsam daran arbeiten, den Zugang zu Hochschulbildung für Geflüchtete zu verbessern – unabhängig davon, wo sie sich befinden. Die Koalition besteht aus Universitäten und NGOs mit Sitz in Afrika, dem Nahen Osten, Europa und Nordamerika. Die Global University Academy (GUA) verfolgt drei zentrale Ziele:
- Die Mitglieder des Netzwerks möchten den Beitrag der Universitäten zur Bewältigung der globalen Herausforderungen von Flucht und Vertreibung stärken. Die Global University Academy fungiert dabei als Netzwerk gegenseitiger Unterstützung, um auf akute Flüchtlingskrisen zu reagieren. Gleichzeitig verfolgt sie das Ziel, langfristige Ressourcen für Geflüchtete und von Vertreibung betroffene Menschen in unterschiedlichen Kontexten zu entwickeln, um ihr Recht auf Selbstverwirklichung zu unterstützen.
- Gemeinsam wollen wir skalierbare Zugänge zur Hochschulbildung für Geflüchtete, Vertriebene und ihre Aufnahmegemeinschaften entwickeln – überall dort, wo sie leben. Da derzeit nur etwas mehr als sieben Prozent der weltweit schnell wachsenden Zahl von Geflüchteten Zugang zu Hochschulbildungsangeboten haben, wurde die Global University Academy gegründet, um das Ziel des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) zu unterstützen, den Anteil Geflüchteter mit Zugang zu Hochschulbildung bis 2030 auf 15 Prozent zu erhöhen.
- Derzeit entwickeln wir ein neues akademisches Modell und etablieren ein gemeinsames, kohärentes und flexibles Kursangebot aus stapelbaren Modulen. Diese sollen eine tragfähige Grundlage für Studienvorbereitungs- und Bachelorprogramme bilden, die gemeinsam entwickelt und lokal verankert werden. Um dies zu erreichen, arbeitet die GUA mit dem UNHCR, der UNESCO, dem Norwegian Refugee Council sowie dem Norwegian Students’ and Academics’ International Assistance Fund zusammen.
Kontakt
Ansprechpartnerin für gefährdete Forschende und Studierende

Neda Soltani
Ansprechpartnerin zur Global University Academy
