Adrian Daub: »›Noch‹, ›Nicht mehr‹, ›Endlich wieder‹: Kollektive Zeitwahrnehmung und Verbotsdiskurse«

Auf einen Blick
Unter den Linden 6
10099 Berlin
Institut für deutsche Literatur
Beschreibung
»›Noch‹, ›Nicht mehr‹, ›Endlich wieder‹: Kollektive Zeitwahrnehmung und Verbotsdiskurse«
– mit Ulrike Vedder
Die Behauptung, dass »man« x, y, oder z heute »nicht mehr« sagen könne oder dürfe, ist spätestens seit den 1980er Jahren fest im politischen Diskurs verankert. Sie steht für ein breiteres Gefühl der Unsagbarkeit und die Mechanismen, nach denen dieses sich angeblich ausbreitet – Mechanismen, die für die Menschen, die sie beschreiben den Charakter von Verboten haben, obwohl diese Verbote selten explizit in Worte gefasst werden. Mehr noch, das Gefühl einer sich in Redeverboten ausdrückenden historischen Veränderung scheint das Verhältnis eines bestimmten Publikums zum Politischen zu strukturieren. Dieser Vortrag hinterfragt die Vorstellungen von Sagbarkeit und Unsagbarkeit, von historischem Umschwung und politischer Macht, die hinter diesem Sprachspiel stehen. Vor allem aber geht es in ihm um Zeit und Zeiterfahrung, um Nostalgie und um das Gefühl, wenn »alle« so reden, wie man selber.
ADRIAN DAUB: Literaturwissenschaftler; J.E. Wallace Sterling Professor für Geisteswissenschaften in den Fachbereichen Vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik an der Stanford University. Seit 2019 ist Daub darüber hinaus Fakultätsdirektor des Michelle R. Clayman Institute for Gender Research. Seine Forschungsgebiete umfassen die Ideen- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts sowie Fragen von Gender und Sexualität. Neben seinen wissenschaftlichen Aktivitäten betätigt sich Daub als politischer Kommentator des Zeitgeschehens in deutschen und englischsprachigen Zeitungen [u.a. FAZ, DIE ZEIT, NZZ, The Guardian] ebenso wie in dem mit Laura Goode produzierten Podcast »The Feminist Present«. 2022 erschien sein jüngstes Buch »Cancel Culture Transfer. Wie eine moralische Panik die Welt erfasst« im Suhrkamp Verlag, das im Januar 2023 auf der Sachbuch-Bestenliste von ZDF, Deutschlandfunk und DIE ZEIT stand.